home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Zürichs "Beatrice di Tenda" gehört in die längst aus allen Nähten platzende Schublade mit der Aufschrift "Möchtegern-Regietheater". Natürlich hat der Regisseur die Geschichte nahe an unsere Gegenwart gezerrt, natürlich sieht das Bühnenbild schick und heutig und hipp aus (und nach Erich Wonder). Das ist schön und gut, nichts dagegen! Nur: Was nützt das "Updating", wenn es kein Konzept gibt, das die Zeitverschiebung rechtfertigen könnte? Von Personenführung ist hier weit und breit keine Spur. Von Figurenanalyse schon gar nicht. Stattdessen gibt es blutleeres, einfallsloses Stehtheater der schlimmsten Sorte.
Aber wir wollen ehrlich sein: Wen interessieren hier Inszenierung oder Bühnenbild? Niemand. Schließlich ist dies die Gruberova-Show, und die unermüdliche Koloraturdiva macht ihre Sache gut. Allerdings nicht phänomenal, atemberaubend, überwältigend -- jene Attribute, die in den vergangenen Jahrzehnten bei der Lobpreisung ihrer Leistungen geradezu obligatorisch (und überaus angebracht) waren. Edita Gruberova ist in Konkurrenz zu sich selbst getreten, zu ihrer Stimme, ihrer Virtuosität, "wie sie war". Ohne Frage kann sie die Beatrice immer noch so singen wie kaum eine andere. Nur: Immer wieder ertappen wir uns dabei, wie wir denken: Vor fünf Jahren hätte sie’s besser gemacht. Und vor zehn erst!
Trotzdem ist sie hier noch die Königin. Vor der furios auftrumpfenden Stefania Kaluza als Agnese, die sich wund spielt ("Es lebe das Melodrama!").Vor dem hübsch singenden, aber völlig teilnahmslosen Raùl Hernández als Orombello ("Wann kommt der nächste Bus?"). Und vor Marcello Viotti, der Bellini im Schongang fährt.

Jochen Breiholz, 21.02.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top