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Heinrich Ignaz Franz Biber, Matthew Locke

Battalia, Music For "The Tempest" u.a.

Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

Teldec/Warner Classics 3984-21464-2
(67 Min., 1/1998, 2/1998, 4/1998) 1 CD

Ein äußerst seltsames Sammelsurium, was die Chefmanieristen aus Mailand da zusammengestellt haben: Bibers unschlagbare "Battalia", eingerahmt von einer Zelenka-Fanfare und einer Biberschen Lauten-Passacaglia, ebenfalls von Biber die "Sonata representativa" sowie eine Partita aus der Reihe "Harmonia artificiosa-ariosa" in Kombination mit einer Eigenkombination des Giardino-Violinisten Enrico Onofri. Schließlich gibt es noch Matthew Lockes "Tempest"-Musik.
Was soll das? Kraut und Rüben als übergeordnetes Motto? Der Begleittext tut sich damit ebenso schwer wie das Ensemble selbst in einem ebenfalls im Beiheft abgedruckten Interview.
Wozu diese lange Vorrede? Ganz einfach deswegen, weil die Interpretationen des Ensembles trotz des gemüsesuppenartigen Programms durchaus Spaß bereiten, gelegentlich auch faszinieren. Letzteres allerdings nicht in der Art und Weise, dass alles, was Il Giardino Armonico anpackt, grundsätzlich in jeder Hinsicht gegen den Strich gebürstet und sensationell neu zu sein hat.
Die "Battalia" erklingt angemessen aggressiv, voll Saft und Kraft, die von Biber vorgeschriebenen Effekte weidlich ausnutzend, ohne jedoch durch zusätzliche Effekte die Musik zu überfrachten. Enrico Onofri genießt hörbar die Tierstimmeninmitationen der "Sonata representativa" und lässt die Musik in prall barocker Programmatik daherstolzieren. Luca Piancas gesprochene Ankündigungen der einzelnen Sätze hingegen sind überflüssig wie ein Kropf, ebenso wie Onofris selbstkomponiertes Ricercare.
Vorwiegend Gutes lässt sich auch über die lebenssprühende Interpretation von Lockes "Tempest"-Musik berichten, doch stehen sich Biber und Locke stilistisch so ferne wie nur irgend möglich. Natürlich kann man, wie es im Beiheft geschieht, den Kontrast zum Programm erheben; die hohe Kommunikationsfähigkeit der Interpretationen des Ensembles hätte jedoch ein reines Biber-Album ebenso wünschenswert erscheinen lassen wie eine CD mit frühbarocker englischer Musik. Also, Ihr Musici: Weiter so, aber das nächste Mal mit stimmigeren Programmen!

Thomas Schulz, 30.06.1998



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