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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Heinrich Ignaz Franz Biber

Missa Christi resurgentis

The English Concert, Andrew Manze

harmonia mundi HMC 807397
(77 Min., 9/2004) 1 CD

Mehrchöriges Musizieren auf den vier Emporen in der Vierung des - akustisch nicht gerade trockenen - Salzburger Doms: Ein logistisches Problem, das nicht nur eine Menge Erfahrung mit dem Raum, sondern auch adäquates Repertoire erfordert. Heinrich Ignaz Franz Biber, ab 1671 im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs, verstand es vortrefflich, geistliche Musik für gewaltige Besetzungen (man denke etwa an die 53-stimmige "Missa Salisburgensis"!) so zu komponieren, dass sie unter den besonderen Salzburger Aufführungsbedingungen spielbar war und trotz der erforderlichen Flächigkeit bei relativ langsamem Tempo der harmonischen Fortschreitungen noch ein hohes Maß an barocker musikalischer Rhetorik zur effektvollen Versinnbildlichung des Textes aufwies.
Auch die wohl zu Ostern 1674 in Salzburg uraufgeführte und erst vor wenigen Jahren durch musikwissenschaftliche Detailarbeit wieder aufführbar gemachte "Missa Christi resurgentis" ist für ein großes, in vier Gruppen gegliedertes Ensemble komponiert: Zwei Vokalchöre zuzüglich einer weiteren Bassstimme konzertieren mit zwei Instrumentalensembles (Streicher und Bläser) in unterschiedlichsten Kombinationen. Andrew Manze hat das Spektakel nicht in Salzburg, sondern in der Londoner Temple Church für diese CD-Produktion inszeniert, bemüht um einen durchsichtigen Klang bei originaler Aufstellung der vier Ensembles. Dies ist ihm vor allem auf instrumentaler Ebene gelungen; der Vokalsatz hingegen scheint nicht immer ganz ausgewogen: Die streckenweise etwas blökenden Bassstimmen im "Christe" etwa verwundern gleich zu Beginn, die "Gloria"-Intonation geriet recht wackelig, und im weiteren Verlauf des "Gloria" kommt es immer wieder zu inhomogenem Vokalklang, verursacht u. a. durch martialisches Deklamieren ohne nähere Inaugenscheinnahme des Textes und seiner Aussage. So aufregend das Experimentieren mit den klanglichen Reizen solch außergewöhnlicher Musik auch ist: Man vergesse dabei nicht, das die Gesangsstimmen als Träger des Textes durch ihre Artikulation und Phrasierung den interpretatorischen Duktus für den gesamten Aufführungsapparat vorgeben. Dieser Aspekt scheint beim Instrumenten-begeisterten Andrew Manze ein wenig untergegangen zu sein, weswegen das Stück passagenweise zu zerfallen droht.

Michael Wersin, 10.02.2006



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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