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Johann Sebastian Bach

Brandenburgische Konzerte

Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

Opus 111/harmonia mundi ops 30 412
(3/2005) 3 CDs

Bis auf die metrisch leicht verrückten Hörner zu Beginn irritiert Dirigent Rinaldo Alessandrini erst einmal dadurch, dass er alles vermeidet, was Verwirrung und Aufmerksamkeit erregen könnte. Nichts soll den ruhigen Fluss von Johann Sebastian Bachs erstem Brandenburgischen Konzert stören, und doch klingt es anders als gewohnt. Jedes Instrument scheint für sich zu stehen, sich selbständig frei zu entfalten und eher aus der Ferne den Kollegen fröhlich zuzurufen. Alessandrini schafft aus der kleinen Besetzung eine klangliche Weiträumigkeit, die dann doch verblüfft. Er sprengt die kammermusikalische Enge und setzt das Orchester gleichsam auf die freie Wiese. Mehr als alle strukturellen Spannungen interessiert er sich für die Klangdramatik, für das Wechselspiel der Instrumente, die schier unerschöpfliche Vielfalt an Kombinationen. Und so entsteht zwar nicht zwangsläufig eine Art italienischer Bach, aber doch einer, der mit dem Bild des protestantisch beengten norddeutschen Stubenhockers nicht mehr viel gemein hat. Besonders deutlich wird Alessandrinis Ansatz vielleicht in den Menuetten, die er gleichsam im Laufschritt absolviert und dabei doch den fröhlich-unbeschwerten und dabei leicht ironischen Ton dieser Gattung trifft. Gleichwohl kann man Alessandrini nicht Leichtfertigkeit vorwerfen. In den Andante-Sätzen des zweiten und vierten Konzerts hört man sehr genau, wie er hier aus dem Melos heraus musikalische Spannung und Innigkeit entwickelt, ganz ohne den dort oft zu erlebenden gedämpften Zustand. Es ist eher eine natürliche, persönliche und gleichzeitig rücksichtslos öffentliche Haltung. Die italienischen Musiker ducken sich nicht unter den Tisch, um zu trauern, aber ebenso wenig gibt es dann zum Allegro wirklich Table Dance. Obwohl sich das etwa für einen norddeutschen Kirchenmusiker wohl doch so anhört.

Helmut Mauró, 28.01.2006



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