Gegenüber der ostentativen Zerbrechlichkeit so vieler zeitgenössischer Musik wirkt die Musik Harrison Birtwistles wie aus Stein gehauen. Dem konservativen Teil der britischen Musikhörer gilt er als personifizierter Schrecken der Moderne. Noch im letzten Jahr konnte sein lärmiges Saxofonstück „Panic“ bei der Last Night of the Proms einen mittleren Skandal verursachen. Nun klingen Birtwistles Werke zuerst sicherlich rabiat und gemahnen in ihren eruptiven Ballungen an Varèse, doch Birtwistle ist kein Bilderstürmer. Er verglich den Charakter seiner Musik mit einer Stadt, deren Gesamtbild sich nur durch Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven zusammenfügen kann.
In seinem gewaltigen Orchesterstück „Earth Dances“ ziehen sich sechs unabhängige Schichten durch die Partitur, die miteinander kontrastieren, sich überschneiden und ergänzen. Nach mehrmaligem Hören weicht der Eindruck brachialer Urgewalt dem einer dynamischen Landschaft, die sich Stück für Stück, aber nie auf einmal erschließt.

Thomas Schulz, 30.06.1996



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