Gerade mal zwei Werke von Ernest Bloch (1880 - 1959) lassen im aktuellen Musikleben von sich hören: die Konzertstücke "Schelomo" und die "Suite Hébraique". Es sind zwei voll rhapsodischer Glut steckende Visitenkarten des gebürtigen Schweizers, mit denen er in der Wahlheimat USA immerhin Berühmtheit erlangte.
Blochs einzige Oper "Macbeth" lockte aber selbst aufgeschlossene Opernintendanten kaum an, weshalb sie erst 1998 in Dortmund ihre deutsche Premiere erlebte. Und warum Regisseur John Dew dieses lyrische Drama in seinen Raritäten-Zyklus "Französische Oper" aufnahm, verrät der Mitschnitt als CD-Ersteinspielung vom ersten Ton an. Denn im Gegensatz zu den französischen Zeitgenossen wie Chausson und Roussel, die sich noch ganz am Übervater Wagner festklammerten, entdeckte der junge Bloch den gesamten Formen- und Klangreichtum eines Debussy für sich - und sogar dessen iberische Farben!
Und Bloch verstand es zugleich, die psychologischen Spannungstaue mit einem bisweilen ungemein drastischen Espressivo zu festigen, ohne nur annähernd mit jenen musiktheatralischen Schneisen konkurrieren zu wollen, die Verdi in seinen Shakespeare schlug.
Die Partitur befindet sich mit ihrem französischen Libretto so in einem faszinierend retardierenden Fluss, der vom Dortmunder Ensemble mit Bravur gemeistert wird. Während der Dirigent Alexander Rumpf in der luxuriösen Sättigung des Orchesterklanges jegliches Parfüm vermeidet, sind es vor allem der Bariton Hannu Niemelä in der Titelpartie und Sonja Borowski-Tudor als Lady Macbeth, die mehr auf dramatische Schlankheit als auf sentimentale Gefühligkeit setzen. Bei ihnen ist die Morbidität von Sujet und Musik eins und der Katastrophensog einfach unaufhaltsam. Leider ist der Mitschnitt aufnahmetechnisch vom machbaren Standard meilenweit entfernt.

Guido Fischer, 02.08.2001



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