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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Johann Sebastian Bach, Gabriela Montero

Improvisationen über Themen von Bach

Gabriela Montero

EMI 3 57477 2
(55 Min., 10/2005) 1 CD

Das Besondere an Gabriela Montero, so heißt es, sei, dass sie in ihren Konzerten über klassische Themen improvisiere. In Wirklichkeit ist das Bemerkenswerte an der venezolanischen Pianistin wohl ebenso, dass sie es tut, ohne darüber ihren Ruf als ernsthafte klassische Künstlerin zu gefährden. Ermutigt wurde sie durch Martha Argerich, die sie der Legende nach einst beim Improvisieren erwischte. Wer noch nicht das Vergnügen hatte, die Pianistin im Konzert zu erleben, kann sich anhand dieser CD nun ein eigenes Urteil über ihre Improvisationskunst machen. Diese hat etwas ausgesprochen Entspanntes und Natürliches, denn Montero scheint erst einmal nichts anderes zu tun, als ausgehend von bekannten Bach'schen Themen aus ihrem Leben als klassische Pianistin zu erzählen. Ihre Improvisationen erinnern oft an einen Bewusstseinsstrom, der sich, vom Thema ausgehend, in die unterschiedlichsten stilistischen Gefilde ergießt. Montero mag dabei wechselweise deutlich an Chopin, Keith Jarrett oder Debussy denken, doch scheint sie dabei nie bloß zu zitieren, sondern vielmehr eine von Kindheit an assimilierte Sprache zu sprechen. Unverkennbar ist auch, dass hier eine an klassischen Strukturen geschulte Künstlerin mit Gespür für Architektur und Ökonomie der Mittel am Werk ist. Bisweilen durchkreuzt Montero sogar von der ersten Note an die Erwartungshaltungen: so führt sie das feierliche Thema der Goldbergvariationen unerwartet, aber gekonnt und erfrischend respektlos im neoklassizistischen Stil Prokofjews und Strawinskys durch. Im C-Dur-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier lässt sie ihre Zuhörer dagegen meditativ abdriften und rettet die Träumerei dennoch durch mit Witz eingestreute harmonische Irritationen vor dem Kitsch. Montero bringt damit manchem abgespieltem Thema zurück, was noch die ausgefeilteste Interpretation nicht vermag: ursprüngliche Ausstrahlung und echte Spontaneität.

Carsten Niemann, 26.05.2006



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