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Private Astronomy

Geoff Muldaur, Futuristic Ensemble

Deutsche Grammophon/Universal 474 538-2
(42 Min., 2003) 1 CD

Bix Beiderbecke ist einer der mythischen Instrumentalisten des Jazz. Der 1903 in Davenport/Iowa geborene Sohn einer wohlhabenden Familie deutscher Abstammung gilt als der erste Weiße, den die schwarze Community im Stammbaum der improvisierten Musik aufgenommen hat. Obwohl der Kornettist nur in Tanzorchestern tätig war (allerdings den besten), legte er mit seinen durchdachten Soli und seiner Liebe für Debussy, Ravel oder Schönberg die Grundlage dafür, dass der Jazz zur Kunstmusik des 20. Jahrhunderts aufsteigen konnte. Beiderbecke erlebte das freilich nicht mehr mit. Er starb mit 28 Jahren an einer Lungenentzündung; seinen Körper hatte er mit Unmengen von Alkohol schon vorher mürbe gemacht.
Hundert Jahre nach Beiderbeckes Tod hat es sich der Folk- und Blues-Spezialist Geoff Muldaur zur Aufgabe gesetzt, dem legendären Kornettisten ein zweites Leben zu schenken. Im Kern der Aufnahme "Private Astronomy" stehen fünf ausgesprochen selten gespielte Klavierkompositionen Beiderbeckes, die Muldaur für ein aus Klassik- und Jazz-Musikern bestehendes Kammerensemble gesetzt hat. Hinzu kommen 20er-Jahre-Schlager mit Gesang, die Bix einst solistisch veredelte.
Obwohl Muldaur seiner Band den Namen "Futuristic Ensemble" verpasst hat, finden sich keine verkrampften Verknüpfungen in die Gegenwart. Von wegen postmoderne Zerstückelung oder DJ-Firlefanz: "Private Astronomy" fühlt sich in den derben Humor der roaring twenties und die stille Melancholie der verwehten Epoche stilecht mit den Mitteln von Waschbrett und Satzgesang ein. Chicago-Traditionalisten können sich daran genauso erfreuen wie geschichtsbewusste Norah-Jones-Anhänger. Was uns Bix heute noch zu sagen hat, verschweigt die intelligent nostalgische Einspielung allerdings.

Josef Engels, 06.11.2004



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