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Arcangelo Corelli

Sonate a violino e violone o cembalo op. 5

Enrico Gatti, Gaetano Nasillo, Guido Morini

Arcana/harmonia mundi A423
(127 Min., 5/2003 - 6/2003)

Gourmets wissen es: nicht alles, was edel ist, muss auch notwendigerweise einen starken Eigengeschmack besitzen. So verhält es sich auch mit der Musik von Arcangelo Corelli: sie ist eine Essenz, welche den Geschmack der verschiedensten Saucen annehmen kann, ohne darunter zu verschwinden. Oder, um das Bild von der Sprache zu bemühen: ihre zwingende Grammatik funktioniert in den verschiedensten Dialekten. Wird sie aber mit kalter Professionalität angerichtet, wirkt sie sofort fade. Nun hat sie sich also dem Violinspiel Enrico Gattis verbunden und das Ergebnis ist ebenso zwingend wie eigen. Gatti besitzt jenen gewissen Furor, den man manchmal bei gebildeten Musikern der Alten-Musik-Szene antrifft, die von stromlinienförmigeren Kollegen in die zweite Reihe gedrängt werden. Während er im ausgedehnten und höchst informativen Beihefttext genaue Rechenschaft über benutzte Quellen und Verzierungspraxis liefert und seine Kritiker auszankt, mangelt es ihm auch im Spiel nicht an Nachdrücklichkeit: Jeder Strich ist bei Gatti mit Überzeugungswillen gesetzt und sein energetisches, sonores und rhetorisch klares Spiel überträgt sich auch auf die überbordenden Verzierungen. Von Gatti kann man dabei lernen, dass Verzierung keineswegs bloß filigranes Beiwerk meint. Seine Figurationen tragen die Energie weiter, sie wirken ausgesungen ohne die Struktur zu verunklaren und bei alledem macht Gatti deutlich, dass ihm Nuancen der Tonveränderung mit dem Bogen mindestens so interessant sind wie geläufige Triller der linken Hand. Wenn das große Vergnügen über diesen geerdeten und doch virtuosen Corelli getrübt wird, dann sind es die bisweilen gequetschten und nicht völlig intonationsreinen Töne, die Gatti in der Höhe in Kauf nimmt.

Carsten Niemann, 09.04.2005



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