Responsive image
Gaetano Donizetti

Lucia di Lammermoor

Andrea Rost, Bruce Ford u.a., Hanover Band, Charles Mackerras

Sony S2K 63174 
(136 Min., 8/1997) 2 CDs

Wenn heutzutage eine diskografisch derart gut dokumentierte Oper wie “Lucia von Lammermoor” erneut produziert wird - man denke nur an die legendären Callas-Aufnahmen -, dann sollte es hierfür triftige Gründe geben. Und die sind, teilweise jedenfalls, hier durchaus vorhanden: Erstmals wurde dieses Werk von einem Originalklangensemble der Spitzenklasse aufgenommen, dazu ohne jegliche Striche und unter weitgehender Berücksichtigung der Originaltonarten, was den Intentionen des Komponisten um einiges näher kommen dürfte als die üblichen Versionen. Das Klangbild erscheint transparenter und konturierter, als man es sonst zu hören gewohnt ist; nicht zuletzt, weil Mackerras Wert auf die genaue Beachtung der dynamischen Vorschriften, der Phrasierung und Artikulation legt, ohne dass auch nur der leiseste Eindruck akademischer Sterilität entstünde - ein überzeugendes Beispiel dafür, dass sich Partiturtreue und packende Interpretation keineswegs ausschließen müssen.
So überzeugend sich die Aufnahme von ihrer instrumentalen Seite präsentiert, so wenig profiliert erscheint sie jedoch in vokaler Hinsicht. Andrea Rost kann zwar ein individuelles Timbre ins Feld führen, doch ihre stimmliche Variabilität und das interpretatorische Spektrum bleiben ziemlich eng begrenzt, während Bruce Ford wohl mit Ansätzen in der Gestaltung aufzuwarten vermag, weniger jedoch mit vokaler Schönheit; lediglich Anthony Michaels-Moore gelingt ein zufriedenstellender Ausgleich zwischen expressiven und klangschönen Momenten.

Norbert Christen, 31.05.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Darm mit Charme: Auf dem Buchmarkt hat unser Verdauungstrakt schon vor einigen Jahren seine marketingverbauschte Renaissance gefeiert. Stimmt es, dass dieses hochkonzentriert von Nerven durchsetzte Organ in der Evolution die Leistungen des später ausgebauten Gehirns mit der Intelligenz des Gefühls vereinte? In der Alten Musik ist der Darm bereits völlig ekelfrei in aller Munde: als Darmsaite. Dazu wird nach der Schlachtung von meist Schafen und Lämmern der Darm gewendet, von Schleimhaut und […] mehr »


Top