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Gaetano Donizetti, Gioachino Rossini

Belcanto-Arien

Vivica Genaux, Ensemble Orchestral de Paris, John Nelson

Virgin/EMI 545 545-2
(68 Min., 9/2002, 10/2002, 4/2003) 1 CD

Mit ihrem ersten Recital, einer Anthologie von Arien, die für Farinelli geschrieben worden waren, hatte sich Vivica Genaux als außergewöhnliche Virtuosa vorgestellt. In der tiefen Lage erinnert die mattsilber-timbrierte Stimme an die junge Marilyn Horne, in der Vollhöhe wird sie ein wenig dünner und läuft im Forte Gefahr, zu spreizen.
      Für ihr zweites Recital hat sie zwei Dreier-Blöcke mit Arien von Rossini gewählt, die eine Vierer-Gruppe von Donizetti umrahmen. Es ist das Repertoire, das vor vier Jahrzehnten von Marilyn Horne aktualisiert wurde. Wenige Jahre zuvor war Angelinas Rondo aus “La Cenerentola” noch als "das schwierigste Stück im Mezzo-Repertoire" (G. Simionato) gefürchtet. Tempi passati. Vivica Genaux steuert ihre Stimme turbobeschleunigt durch die Serpentinen von “Non più mesta”. Sie versteht es darüber hinaus, Verzierungen in eine melodische Linie einzuwirken gleich Silberfäden in einen Brokat wie gleich zu Beginn den Vorschlag in “Nacqui all’affanno”. Phrasenwiederholungen werden durch einfallsreiche Verzierungen belebt. Famos der Triller bei “la sorte mia” (Track 1, 2:35”). Gibt’s heute einen besseren? Die technische Ausführung des Rondo mit seinen kühn variierten Presto-Koloraturen ist sensationell. Allerdings fehlt der Wiedergabe der Ausdruck jubelnder Freude, den Cecilia Bartoli in solchen Szenen zu vermitteln weiß. Tritt Vivica Genaux als Isabella (“L’Italiana in Algeri”) auf die Klangbühne, ist die Verve der Figur zu spüren, nicht aber das Moment des keck Kapriziösen (wie einst bei Conchita Supervia). Ausdrucksvoller die pathetischen Tönungen in der Sortita des Orsini aus “Lucrezia Borgia”, während das exzellent gesungene Brindisi (“Il segreto per esser”) vom Ensemble Orchestral de Paris unter John Nelson allzu knallig aufgezäumt wird. Der letzte Rossini-Block mit “Mura felici” (“La donna del lago”), der großen Szene des Arsace (“Semiramide”) und Rosinas “Una voce” ist erneut eine brillante Kür im canto fiorito, nur fehlen auch hier gestische Kontraste. Aber die mögen sich einstellen, wenn sie die Figuren öfter auf der Bühne verkörpert hat. Trotz kleiner Einwände: Viva Vivica!

Jürgen Kesting, 01.11.2003



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