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Camille Saint-Saëns

Cellokonzert Nr. 1, Violinkonzert Nr. 3

Mira Wang, Jan Vogler, NDR Radiophilharmonie Hannover, Thierry Fischer

Berlin Classics/Edel 0017432BC
(66 Min., 8/2001, 9/2001) 1 CD

Auf eigentümliche Weise mag Saint-Saëns die Fundamente der Geringschätzung, mit der man seiner Musik gern begegnet, selbst gelegt haben. Die Verliebtheit dieses lateinischen Klassizisten in Ebenmaß und marmornen Schönklang wuchs ihm zur Manie der Glättung. Blendend polierte Oberflächen erlangen eine sanfte, aber letztlich tyrannische Herrschaft und wehren jeden Blick auf seine kühnen Formexperimente ab. So ahnen wir nicht einmal, wie orignell diese Musik (auch) ist.
Weil diese Glätte nun aber dem Virtuosen zwar Demonstrationen technischer Versiertheit anbietet, aber kein schwelgendes Spiel mit den Emotionen der Hörer, finden sich Saint-Saëns Marmorarchitekturen nicht selten mit der barbarisch-sinnlichen Farbigkeit slawischen Virtuosengeistes übertüncht. Und schon haben wir den oft belächelten Tonfall eines Tschaikowsky zweiter Ordnung. Die beiden Solisten dieser Produktion entziehen sich dieser Gefahr auf recht unterschiedliche Weise.
Jan Vogler meidet den Gestus fast reißerischer Deklamation, der dem Solopart des a-Moll-Cellokonzertes von der Interpretationsgeschichte aufgeladen wurde. Vogler ist ein Meister gespannt ausgekosteter Übergänge, und so bewundern wir das Zarte, Nebensächliche wie die überleitenden Pianissimo-Takte vor dem Elfentanz-Mittelsatz oder den ppp-Aufgang zum dreigestrichenen Fis gen Ende mehr als jene klassischen Orte der Virtuosität, die Vogler souverän-gedämpft passiert. Mira Wang wählt einen anderen Weg durch die abweisende Schicht des Schönklangs. Mit großem Ton, packend und unverzärtelt, sucht sie die kompromisslose Attacke im dritten Violinkonzert.
Das Orchester nimmt diesen Ton leider etwas zu wörtlich auf. Schon wenn es im Kopfsatz das Motto der Sologeige übernimmt, fällt das Orchesterunisono unkultiviert, ja brachial aus. Im Siziliano-Idyll des zweiten Satzes stößt Wangs Drang an seine Grenzen. Sphärisch schön könnte dieser Schluss sein mit dem Duett von Geige und Soloklarinette, aber allzu unfrei krallen sich die beiden an ihre mechanische Synchronheitsaufgabe, jenseits deren lässiger Bewältigung das Spiel erst begänne.

Matthias Kornemann, 15.08.2002



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