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Antonio Salieri

La grotta di Trofonio

Milanesi, Carlo Lepore, Shukov u.a., Les Talens Lyriques, Christophe Rousset

ambroisie/Musikwelt AMB 9986
(137 Min., 3/2005) 2 CDs

Hätte Antonio Salieri seine "Grotta di Trofonio" nur wenige Jahre später geschrieben, wäre das Stück sicher längst als Beleg dafür angeführt worden, dass der Italiener sich hemmungslos bei den Opern seines schärfsten Konkurrenten Mozart bediente. Ob der "Don Giovanni" in der dämonischen Beschwörungsszene des Zauberers Trofonio, ob die "Così" in den melancholischen Arien der vier Liebenden, die hier durch magische Künste den Glauben aneinander verlieren – an etlichen Stellen dieser gar nicht so lustigen Komödie ist der Tonfall der mozart’schen Da-Ponte-Opern zum Greifen nah. Tatsächlich ging der "Trofonio" jedoch schon 1784 über die Bühne der Wiener Hofoper, und wenn Mozart schon nicht klaute, ließ er sich doch von Eigenheiten der Orchestersprache Salieris, etwa der solistischen Bläserbehandlung, deutlich inspirieren. Christophe Rousset, der als Dirigent schon öfter ein Herz für die verkannten Meister des Rokoko bewies, hat den "Trofonio" vor zwei Jahren für die Oper Lausanne ausgegraben, und die im Anschluss entstandene Einspielung zeigt, dass das musikalische Klima im Wien Josephs II. nicht von völlig autarken Personalstilen der wichtigsten Meister (zu denen auch der Spanier Martín y Soler zu zählen ist) geprägt war, sondern von einem beständigen Geben und Nehmen. Die von Rousset animiert geleitete, ansprechend besetzte Aufnahme zeigt allerdings auch, worin Mozart Salieri denn doch überragte: Im Finden jenes unmittelbaren persönlichen Ausdrucks, der Gefühle auch nach über 200 Jahren noch ganz gegenwärtig erscheinen lässt.

Jörg Königsdorf, 30.06.2007



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