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Alexander Skrjabin

Préludes op. 11, Klaviersonaten Nr. 2 u. 3

Vesselin Stanev

Sony Classical/Sony BMG 82876 76510-2
(64 Min., 2/2006) 1 CD

So ist das oft im Musikbetrieb: Erst wenn einer bei einer großen Plattenfirma landet, wird man auf ihn aufmerksam. Wer kannte schon Vesselin Stanev? Sechs CDs hatte er immerhin herausgebracht, mit Programmen von Schumann bis Ravel, viel Rachmaninow und Liszt war dabei, aber wenn einer aus Bulgarien kommt und auf einem obskuren Label (Gega New) veröffentlicht, hat er wenig Chancen, die Aufmerksamkeit breiterer Kreise zu erregen.
Nun also wird alles anders. Stanev lebt mittlerweile in Paris und hat bei Sony ein reines Skrjabinprogramm eingespielt. Der Russe liegt ihm, das wird nicht nur auf dieser CD, sondern auch live deutlich. Stanevs Virtuosität ist beeindruckend, er spielt seine Brillanz auch gern an den dafür geeigneten Stellen und Stücken aus ohne mit ihr aufzutrumpfen. Bei Skrjabin trifft er den Charakter der wild aufgewühlten Tonkaskaden wie sie im Presto con Fuoco der dritten Klaviersonate auftauchen ebenso wie den der zärtlichen, fast kindlich in sich zurückgezogenen Miniaturen der Préludes op. 11.
Alles ist hier am rechten Platz – und da bleibt es irgendwie auch, sprich, der latente Wahnsinn des Alexander Skrjabin ist kein Gegenstand von Stanevs Reflexion. Manchmal würde es genügen, wenn ein paar Töne aus der Reihe fielen, ausbrächen aus dem Wohlgesitteten, Gutbürgerlichen – das in Skrjabins Musik durchaus ebenso präsent ist wie Momente des Wahnsinns, ja, durch den Kontrast erst den Wahnsinn ermöglicht. Die Anlage dazu glaubt man merkwürdigerweise in Stanevs Spiel durchaus zu hören, aber als gäbe es da etwas, was ihn hindert, auszubrechen, ein gefühltes Gefängnis, bleibt er in gewissen Konventionen hängen. Hoffen wir auf den Befreiungsschlag!

Matthias Reisner, 21.04.2007



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