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Frédéric Chopin

Klaviersonate Nr. 2, Préludes op. 28, Polonaise op. 53

Evgeny Kissin

RCA/BMG 09026 63532 2
(67 Min., 7/1999, 8/1999) 1 CD

Mit schöner Regelmäßigkeit kommen Jewgenij Kissins stets beim SWR Freiburg produzierten Aufnahmen heraus, und man ist mittlerweile fast in Gefahr, die bezwingende interpretatorische Größe und Neugier Kissins allzu selbstverständlich zu finden. Denn auch in diesem eigentlich konventionellen Chopin-Programm konfrontiert er uns mit einer überaus kühnen Vision: einer ungeheuerlichen Interpretation des Trauermarsches. Mit Knapp elf Minuten ist er um vier (!) Minuten langsamer als das Gros; selbst der den Mittelteil stets sehr ruhig spielende Rubinstein war immer unter neun Minuten.
Doch was sind Zahlen! Diese Längen sind in den Marsch-Eckteilen zu einer niederschmetternden Großartigkeit aufgetürmt. Der Mittelteil aber - im Konzert langweile ich mich oft dabei - verbleibt in statischem Pianissimo, in fast erfrorener Entrückung, die kaum zu beschreiben ist. Wie von Fern herübergeweht, sodass man gerade die melodischen Umrisse vernimmt. Kissins extreme Sicht weist auf eine seltsame Transformierung: Geht das vorüberhuschende, gestaltlose Finale nicht bloß einen Entwicklungsschritt weiter? Noch ferner getreten, verschwimmen die Konturen.
Auch die Préludes, ziemlich eigenwillig im Detail, überzeugen durchweg. Herausgenommen sei das wie der Trauermarsch überaus monumentale, orgelartig registrierte Choralpräludium in c-Moll. Für mich ist das die interessanteste Chopin-Aufnahme seit Jahren.

Matthias Kornemann, 28.02.2000



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