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Flow

Terence Blanchard

Blue Note/EMI 578 274-2
(73 Min.) 1 CD

Ein erster flüchtiger Blick verrät: Diese CD muss etwas Besonderes sein. Denn unter dem Rubrum "produced by" wird da jemand erwähnt, der seit 1987 nicht mehr für andere Leute den Produzentenjob übernommen hat. Es handelt sich um Herbie Hancock – und bei dem letzten Schützling, dessen Plattenentstehung er betreute, um niemand Geringeren als Dexter Gordon.
Terence Blanchard ist es durchaus wert, dass ihm nun von derart hoher Stelle Unterstützung gewährt wird. Den Trompeter aus New Orleans haben viele Kritiker inzwischen zwar hauptsächlich nur noch als fähigen Filmmusikdienstleister für Spike Lee auf der Liste. Aber seitdem er im Jahr 2003 die Plattenfirma wechselte und bei Blue Note landete, hat sich Blanchard von dem blitzeblanken, aber langweiligen Post-Bop, der seine Alben unter eigenem Namen bestimmte, weit entfernt.
"Flow" beginnt mit einem HipHop-artigen Bass- und Perkussion-Groove, über den Blanchard ein Trompeten-Thema legt, das an "Jean-Pierre" von Miles Davis erinnert. Das ist durchaus programmatisch. Denn der Geist des späten Miles schwebt über dieser Aufnahme. Es ist allerdings keine dieser üblichen "Bitches Brew"-Nachmach-Platten, mit der man es hier zu tun hat. Blanchard findet gemeinsam mit dem einzigartigen Gitarristen Lionel Loueke, dem Saxofonisten Brice Winston, dem Pianisten Aaron Parks sowie Derrick Hodge am Bass und Kendrick Scott am Schlagzeug einen eigenen Weg. Der führt oft nach Afrika, mal nach Spanien und Lateinamerika, mal in Hancocks Hardbopland (bei zwei Stücken langt der Produzent auch selber zu – und zwar mit derart viel Schmackes wie schon lange nicht mehr). Und was wird dabei deutlich? Terence Blanchard ist einer der derzeit spielmächtigsten Trompeter, der mit einer derartigen Intensität und Dringlichkeit soliert, dass sich Roy Hargrove und Wynton Marsalis warm anziehen können.

Josef Engels, 18.06.2005



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