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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Johann Sebastian Bach

Sonaten und Partiten für Violine solo

Christian Tetzlaff

Hänssler Classics/Naxos 98.250
(130 Min., 3/2006 - 6/2006) 2 CDs

Man muss sich und man muss Christian Tetzlaff etwas Zeit geben, damit diese Einspielung ihre Qualität richtig entfalten kann. Gegenüber seiner ersten Aufnahme des Werkkomplexes vor gut zehn Jahren hat Tetzlaff, ohnehin kein Freund des lauten Auftritts, sein Spiel nun noch weiter entkleidet. Virtuos mag man seine Interpretation kaum nennen, spektakulär erst recht nicht: so wenig wert legt sie auf Äußerlichkeiten und auf den schönen Schein. Wo andere die Chance wittern, sich mit Bach als Geiger darzustellen, stellt Tetzlaff als Geiger Bach dar. Den Unterschied und seine Konsequenzen nimmt man, wie gesagt, erst richtig zur Kenntnis, wenn man mit den Ohren nicht mehr die Sensation der großen Geste sucht, sondern sich mit Tetzlaff ruhig einlässt auf eine Musik voller Differenzen, voller Finessen und Kontraste, eine Musik, die mal munter tanzt und sich mal gänzlich vergeistigt, die einzelne Linien zeichnet oder Vielstimmigkeit simuliert, die im Zusammenhang gedacht ist und doch immer wieder den Augenblick feiert. Tetzlaff nimmt diese Musik ernster als sein eigenes Image und das Klischee (oder auch nur den Traum) von instrumentaler Perfektion. Der ungemein facettenreich modulierte Bogendruck erlaubt ihm eine Artikulation, die den einzelnen Tönen, Phrasen und den behutsam arpeggierten Akkorden sehr viel Luft lässt und den Klang so wenig schützt, dass er zuweilen zu brechen droht. Stille Sätze wie das Largo der C-Dur-Sonate erreichen ein Maß an Intimität, dass beim Hören beinahe der eigene Atem stört. Auch die architektonischen Großräume wie etwa die berühmte Chaconne oder die a-Moll-Fuge durchschreitet Tetzlaff mit solchem Bedacht – den Notentext in seinen Eigentümlichkeiten individuell abschätzend, durchaus mit Elan, aber doch nicht nur nach vorn, sondern ohne Hast auch auf die Nuancen am Rande blickend. Dass man nicht immer gleich weiß, wie er, um im Bild zu bleiben, aus diesen Architekturen herausfinden wird, macht es um so spannender, Tetzlaffs kluger und mutiger Exkursion dicht auf den Versen zu bleiben.

Raoul Mörchen, 19.05.2007



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