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Ray Brown, Monty Alexander, Russell Malone

Ray Brown, Monty Alexander, Russell Malone

Telarc/In-Akustik CD-83562
(59 Min., 3/2000) 1 CD

Ray Brown in einer Band zu wissen, war für Mitmusiker, Konzertbesucher und Plattenkäufer Jahrzehnte lang ebenso beruhigendes wie stimulierendes Gefühl. Las man seinen Namen, gab es keinen Zweifel daran, dass die Musik entspannt swingt, wer immer auch sonst mit von der Partie war. Und dass diese Mitspieler besser als sonst spielen würden, war zumindest nicht unwahrscheinlich. Zum letzten Mal können wir dies an Hand eines Albums überprüfen.
Ray Brown war am 2. Juli 2002 das vergönnt, was man einen "schönen Tod" nennt: Am Vorabend war er aufgetreten. Nach einem Golfspiel hatte er sich vor dem nächsten Konzert hingelegt, für einen Schlummer, aus dem er nicht mehr erwachen sollte. Und bis dahin verfügte er über eine so robuste Gesundheit, dass er bis zuletzt auf uneingeschränkt hohem Niveau musizieren konnte. Daher ist dieses Album, was kaum erstaunt, ein würdiges Testament seiner Kunst, was bei den letzten Aufnahmen eines Musikers ja nicht immer der Fall ist. Alles, was Ray Browns Bassspiel ausmachte, diesen stets swingenden Herzschlag jeder Band - der wunderbar warme Sound, die Mitspieler begeisternde Begleitung, das überlegt-überlegene Solieren - all das wurde hier ein letztes Mal dokumentiert.
Selbst das Repertoire könnte nicht besser zu einem Schwanengesang passen. Es hat, wiewohl es überwiegend aus seltenen und neuen Stücken besteht, retrospektiven Charakter. Themen von Dexter Gordon und Milt Jackson erinnern daran, dass Brown einer der letzten Überlebenden der Bebop-Ära war. Das Album hebt an mit "Django", John Lewis' musikalischen Grabstein für Django Reinhardt. Es enthält zudem "One For Hamp", eine lebhafte Komposition Ray Browns, die sich im Nachhinein als Verbeugung vor dem jüngst verstorbenen Lionel Hampton liest. Diesem Tribut schließt sich sogar Monty Alexanders "Don't Go" wie eine Aufforderung an.
Das Album ist ruhiger und intimer als die zahlreichen Trio-Alben der letzten Jahre, besonders die live entstandenen. Das hat auch mit der Besetzung zu tun. Ray Brown musiziert hier in einer Besetzung, die an das Trio Nat King Coles und das erste Oscar-Peterson-Trio erinnert, dem er ja selbst angehörte: Die in den meisten Trios von einem Schlagzeuger besetzte Stelle wird von einem Gitarristen eingenommen. Mit Russell Malone ist ein swingender, einfallsreicher Gitarrist zur Stelle, den einmal nicht an der Seite Diana Kralls zu hören Freude macht. Monty Alexander war seit 1965 (!) immer wieder der Pianist an Browns Seite und betrachtete den Bassisten als väterlichen Freund. Allein schon durch die Präsenz Browns kommt mehr Tiefe in Alexanders mehr durch Oberflächenglanz beeidruckende Painistik.
Einer limitierten Sonderauflage des Albums liegt eine zweite CDs mit einer Auswahl des Produzenten aus Ray Browns Telarc-Alben bei. Es ist für Browns letztes Wort gar nicht so leicht mit dieser Dreingabe zu konkurrieren, ist sie doch ein richtiggehendes "Best Of" aus zehn Jahren, auf denen Brown mit vielen Soli vorgestellt wird und dadurch mehr im Zentrum steht. Als Sampler ist sie abwechslungsreicher und bietet mit anderen Pianisten eindrucksvolle Alternativen. Vor allem Benny Green kommt dabei in seinem jugendlichen Elan so glanzvoll und inspiriert daher, dass der gute Eindruck von Monty Alexander fast weggefegt wird. Leider erschien das Album ohne Beiheft-Text. Eine Würdigung, und sei sie noch so kurz, hätte Ray Brown doch verdient!

Marcus A. Woelfle, 05.12.2002



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