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Brubeck Meets Bach

Dave Brubeck, Bach Collegium München

Sony BMG 88697060322
(108 Min., 11/2004) 2 CDs

Der 13. November 2004 brachte zusammen, was Dave Brubeck wichtig ist: Bach und Jazz. Denn der 1920 geborene Pianist neigt nach dem Militärdienst im 2. Weltkrieg eher zur Ernsten als der Leichten Muse. Doch der Spaß am Improvisieren und die – damals – guten Verdienstmöglichkeiten gaben den Ausschlag, dass er sich letztendlich für den Jazz entschied. Seine Messe und diverse andere Werke belegen, dass er sich vom Traum, auch im Feld der Klassik anerkannt zu werden, nie verabschiedet hat. Russell Gloyd, Manager und Dirigent, leitete das Bach Collegium München bei Johann Sebastian Bachs Konzert für zwei Klaviere und Orchester c-Moll (BWV 1060); den Klavierpart übernahmen Anthony und Joseph Paratore. Das Ergebnis: solide, aber keinesfalls inspiriert oder gar außergewöhnlich. Auch Brubecks 1960 entstandene Ballettmusik "Points Of Jazz" könnte anregender und inspirierter klingen. Welche Klasse Brubeck hingegen als Jazzpianist hat, belegte er mit Quartett nach der Pause in einem zwölfminütigen "St. Louis Blues": Hier stieben die Funken. Wie in Brubecks besten Konzerten drehten und wendeten der Saxofonist Robert Militello, der Schlagzeuger Randy Jones und der Bassist Michael Moore das Thema in ungezügelter Improvisationslust: Jazz à la Brubeck voll Witz, Spiel- und Improvisationslust. Danach vermengten sich Quartett und Orchester bei den Brubeckkompositionen "Unsquare Dance", "Lullaby", "Brandenburg Gate, Revisited", "Regret" "Blue Rondo à la Turk" und Paul Desmonds "Take Five". Als Zugabe griff er dann zum Romantiker Brahms zurück: Mit "Guten Abend, gut‘ Nacht" wünschten Orchester, Brubeck und Moore dem Publikum einen guten Heimweg. Sie konnten beglückt gehen – auch wenn das Konzert selbst nicht zu Brubecks besten zählte, vermittelte es dennoch Würde, Liebe zur Musik und Brubecks Glücksgefühl, die eigene Musik spielen zu können.

Werner Stiefele, 27.08.2007



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