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The Blues

Diverse

Media Corporation One 62 3 30999
7 DVDs

Ken Burns dokumentierte die Geschichte des Jazz in einem visuellen Lehrbuch. Martin Scorsese macht die Geschichte des Blues in sieben Dokumentarfilmen erlebbar, wobei er selbst nur einen drehte. Die sechs anderen gab er in Auftrag. Während sich Ken Burns streng chronologisch durch die Geschichte arbeitete, picken sich die sieben Filmemacher jeweils einzelne Aspekte heraus. Sie beobachten Personen, während Ken Burns Entwicklungsprozesse aufzeichnete.
Scorseses eigener Film "Feel Like Going Home" stellt historische Aufnahmen von Son House, Muddy Waters und John Lee Hooker dem modernen Blues gegenüber und unternimmt einen Abstecher zu den Wurzeln des Blues in Afrika. Robert Johnson ist für ihn wichtig, Taj Mahal kommt zu Wort: ein sehr schöner Film, der Persönlichkeiten darstellt und den Blues dadurch wesentlich erlebbarer macht als Ken Burns den Jazz.
Ähnlich verhält es sich mit Wim Wenders‘ "The Soul Of A Man". Auch er vergleicht Vergangenheit und Gegenwart, wobei sein Film um die Bluesautoren Skip James und J.B. Lenoir kreist und deren Songs aktuelle Interpretationen durch Cassandra Wilson, Lucindia Williams, Bonnie Raitt, Nick Cave, Marc Ribot und anderen gegenüberstellt. Charles Burnett nimmt als Rahmenhandlung für "Warming By The Devil’s Fire" die Geschichte eines kleinen Jungen, der vom Land ins New Orleans der 1930er Jahre kommt. Trotz dieses Kunstgriffs integriert er mehr Originalaufnahmen als die anderen sechs Blues-Dokumentaristen in seine gut nachvollziehbare Darstellung. Eher dem klassischen Dokumentar-Genre entspricht Marc Levins "Godfathers And Sons". Bei ihm steht der Sohn des Gründers von Chess Records im Zentrum; seine Erzählung bildet den roten Faden für eine historisch interessante Betrachtung mit einer Fülle historischer Film- und Fotodokumente. Es konzentriert sich auf Künstler des Labels, vor allem auf Muddy Waters, Chuck Berry, Sonny Boy Williamson und Howlin‘ Wolf.
Und Europa? Mike Figgis spürt in "Red, White & Blues" dem Blues in England von der Nachkriegsära bis in die 1970er durch historische Aufnahmen und Interviews mit Musikern wie John Mayall und Humphrey Littleton nach. Ähnlich nahe an den Personen ist Richard Pearce "The Road To Memphis", der vor allem B.B. King begleitet. Der schwächste Film der Reihe stammt vom Jazzliebhaber Clint Eastwood. Er will in "Piano Blues" die Auswirkungen des Blues auf die Musik von Ray Charles, Dave Brubeck, Dr. John, Jay McShannn, Pinetop Perkins und anderen darstellen. Dabei gelang ihm allerdings nur eine selbstverliebte und oberflächliche Bilanz mehrerer Begegnungen.

Werner Stiefele, 20.11.2004



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