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Saudades

Trio Beyond

ECM/Universal 9876530
(111 Min., 9/2004) 2 CDs

Die Mainstreamer haben schon zurück geblickt. Nun sind die Fusionmusiker dran. Anfangs der 1970er Jahre verschmolz der Schlagzeuger Tony Williams mit seinem Trio "Lifetime" Jazz und Rock. Mitgemacht haben der Gitarrist John McLaughlin und der Organist Larry Young. Diese gewaltige Leistung hatten der Schlagzeuger Jack DeJohnette, der Gitarrist John Scofield und der Organist Larry Goldings im Hinterkopf, als sie ihr Trio bildeten. Schon nach wenigen Konzerten spürten sie, dass sie über eine Kopie der Vorlagen hinausgingen. Deshalb nannten sie sich fortan "Trio Beyond". Der Mitschnitt ihres Konzerts vom 21. November 2004 in der Londoner Queen Elisabeth Hall geriet denn auch zum beeindruckenden Dokument der Auseinandersetzung mit der Tradition. Sie blickten zurück auf Larry Youngs Platte "Unity", von der sie eine federnde Version der Joe-Henderson-Kompositoin "If" übernahmen. Vom Lifetime-Klassiker "Emergency" stammten das mit vielen Bezügen auf das Original interpretierte Titelstück sowie "Spectrum" und vom Nachfolgealbum "Turn It Over" die Stücke "Big Nick" und "Allah Be Praised", das sie nur kurz als brüchige Rocknummer antippen und in die Hommage "Saudades" an den Leiter der gleichnamigen Konzertagentur, Thomas Stöwsand, überleiten. Mit "Seven Steps To Heaven", "I Fall In Love Too Easily" und "Pee Wee" erinnern sie an Tony Williams‘ Zeit bei Miles Davis. Die übrigen drei Titel stammen von Mitgliedern des Trio Beyond. In allen elf Stücken brennt ein ähnliches Feuer wie es das erste Doppelalbum von "Lifetime" von 1969 spüren lässt. Dabei greifen die drei auch auf das alte Konzept zurück: Sie vereinen unbändiges Powerplay mit der Möglichkeit für jeden Solisten, seinen Gedanken ohne Zeitdruck Lauf zu lassen. Der kraftvolle und verträumte Retro-Jazzrock des Trio Beyond ist eine exzellente, stilvolle Hommage an die Stürmer und Dränger von einst.

Werner Stiefele, 01.09.2006



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