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Beyond The Sound Barrier

Wayne Shorter

Verve/Universal 9881281
(62 Min., 11/2002 - 4/2004) 1 CD

Wayne Shorter ist wohl neben John Coltrane und Sonny Rollins der bedeutendste Tenorsaxofonist des neueren Jazz und einer der ganz wenigen, die außer Steve Lacy dem Sopransaxofon eine eigene Stimme verliehen haben. Ihn nur als Instrumentalisten zu würdigen greift allerdings viel zu kurz, immer war er auch Komponist, der die Gruppen, in denen er mitwirkte nachhaltig konzeptionell prägte. Man denke an Art Blakey’s Jazzmessengers, das epochale zweite klassische Miles-Davis-Quintett, Weather Report und natürlich an seine eigenen Bands. Vielleicht pflegt er heute das Davis-Erbe am überzeugendsten, weil sein akustisches Quartett eine echte working band darstellt, die mit Danilo Perez am Klavier, John Patitucci am Kontrabass und Brian Blade hervorragend besetzt ist, und er so der große Ermöglicher sein kann. Dabei bleibt er der grandiose Geschichtenerzähler, dessen besonderes Gestaltungsmittel die Reduktion ist. Seine Mitspieler reagieren hellwach auf seine Impulse, bringen die ihren ein, bieten ständig Varianten an - und die Kommunikation ist so perfekt, dass nicht simultane Beliebigkeit, sondern Gestaltung entsteht. In der Live-Konzert-Situation gelingt dies besonders überzeugend, vielleicht wäre es daher konsequenter gewesen, ein einziges großartiges Konzert, wie das beim Jazz-Baltica-Festival 2002, allein zu veröffentlichen, um so die Magie der Rezeption im Konzert zu bewahren: wo man zunächst noch wünschte, dass es aus den gegenseitigen Umspielungen heraus nun doch ordentlich losgehen möge, um dann fast mit dem legendären Rückenschauer festzustellen, dass es schon heftig losgegangen ist und der ebenso legendäre Engel mitten im Raum ist. Die vorliegende CD ist eher ein Strauß von Top-Performances aus verschiedenen Konzerten über einen Zeitraum von zwei Jahren; die Reihenfolge ist stimmig, aber vielleicht doch nicht ganz so zwingend wie in einem Konzert. Dennoch ist dies ganz großartige offene Musik, die sich immer wieder zurücknimmt, um die Kommunikation zu feiern.

Thomas Fitterling, 28.05.2005



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