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Lontano

Tomasz Stanko-Quartet

ECM/Universal 9877380
(76 Min., 11/2005) 1 CD

Zart und atemreich wehen die Töne aus Tomasz Stankos Trompete. Sie zittern leicht, sie haben Stärke, sie gleiten oder schreiten, sie flirren, werden rauh, kieksen, kommen als kleine, explosive Kugeln daher - und das sind nur einige wenige Facetten aus der enormen Klangvielfalt des Polen. Von einer Tournee zurückgekehrt, spielte er im November 2005 mit seinem polnischen Quartett im südfranzösischen Pernes les Fontaines ein traumhaft schönes Album ein. Das Quartett versteht sich in blinder Harmonie, und so gleiten die vier perfekt von arrangierten Passagen in frei improvisierte und zurück. Dabei gibt es keinen Leerlauf in changesorientierten Phrasen; jeder Ton des Pianisten Marcin Wasilewski, des Bassisten Slawomir Kurkiewicz und natürlich Stankos sowie jeder Schlag und jedes Reiben des Schlagzeugers Michal Miskiewicz auf Trommeln und Becken ist Bestandteil einer Melodie. In "Kattorna" legen seine Partner einen vielschichtig pulsierenden, temporeichen Untergrund, über dem Stankos weiche, oft langgezogene Töne eine Atmosphäre zwischen Balladenfeeling und Trancejazz erzeugen. Ansonsten dominieren im Repertoire Balladen. Die vier gehen sie so gelassen an, als würden sie über jede Zeit dieser Welt zu verfügen - und dabei hat jeder Ton Gewicht, so dass zu keinem Moment auch nur ein Hauch von Leerlauf aufkommt. Stopps und Verzögerungen und aus Pausen hereinwehende Melodien erzeugen permanent Spannung. "Lontano" ist eine sanfte, intensive Platte, die man in Ruhe genießen sollte.

Werner Stiefele, 13.10.2006



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