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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 8

Staatsphilharmonie Minsk, Pierre-Dominique Ponelle

RCA/BMG 74321 56258 2
(6/1996) 1 CD

Mit seiner achten Sinfonie, uraufgeführt 1943, handelte sich Schostakowitsch, nicht zum ersten Male, Ärger mit Stalins Kulturbürokratie ein. Zu negativ klang den Musikwächtern das Werk, nichts gemahnte an die Durchhaltesinfonik, die man von Schostakowitsch erwartet hatte. Später bezeichnete der Komponist seine Achte als ein Requiem, gewidmet dem Andenken an alle Verfolgten.
Dieser Requiemcharakter ist es, der in der Interpretation Pierre-Dominique Ponnelles alles andere beherrscht. Ponnelle wählt konsequent sehr langsame Tempi und dehnt dadurch die Spieldauer der Sinfonie, die gemeinhin etwas über eine Stunde beträgt, auf volle 79 Minuten aus. Nun wäre es einem Sergiu Celibidache vielleicht gelungen, diese enorme Zeitspanne mit Spannung zu füllen, bei Ponnelle jedoch kommt die Musik einfach nicht vom Fleck, bewegt sich oft an der Grenze zum Stillstand. Hinzu kommt: Schostakowitsch ist nicht Bruckner; die beiden einzigen schnellen Sätze, das Scherzo und das Allegro non troppo, fügen sich nicht organisch in Ponnelles Konzept des langen, ruhigen Flusses und wirken bei ihm daher wie Fremdkörper. Letztlich vermag der durchaus hörbare und berührende Enthusiasmus der Staatsphilharmonie Minsk über die Schwächen dieses Klangkörpers nicht hinwegzutrösten.
Ponnelles Einspielung wurde als Begleitmusik zu einem Film über Geschichte und Kultur der Stadt Minsk herangezogen. Diese Aufgabe mag sie erfüllt haben, in rein künstlerischer Hinsicht ist sie nicht konkurrenzfähig.

Thomas Schulz, 28.02.1998



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