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Dmitri Schostakowitsch

The Dance Album

Philadelphia Orchestra, Riccardo Chailly

Decca 452 597-2
1 CD

Dmitri Schostakowitsch war so etwas wie ein Dr. Jekyll und Mr. Hyde: einmal der zutiefst depressive Trauerarbeiter der russischen Musik unseres Jahrhunderts — zum andern der schrägste Clown, den das Sowjetsystem gerade noch zuließ. Aber das sind, wie bei Jekyll, wohl nur die zwei Seiten derselben Münze. Neben den zerrissensten Sinfonien und den wundesten Streichquartetten entstanden Filmmusiken, freche Ballette — und sogar eine Operette, fast schon ein Musical, „Moskau-Tscheriomuschki“ (Moskauer Vorort). Eine Suite daraus ist, in Erstaufnahme, das Herzstück dieser CD, ein „Crossover“-Ereignis, wenn’s je eines gab: Johann Strauß junior, Offenbach und Sir Arthur Sullivan treffen sich in Moskau zum Tea for Three! Die Ballettsuite „Der Bolzen“ nimmt diesen leichtsinnigen Ton auf, führt ihn fort; erst die Filmmusik zur „Bremse“ kommt mit verfinsterter Braue (und nur zwei, drei Tanznummern) daher.
Alle drei aber bieten in dieser Einspielung, nur scheinbar paradox, das präziseste Vergnügen, das mir seit langem widerfuhr. Zum Vergleich beim „Bolzen“ und noch mehr bei der „Bremse“, bisweilen auch als „Hornisse“ fehlübersetzt, liegen andere Aufnahmen parat — aber keine erreicht diese Orchesterraffinesse, diesen champagnersprudelnden Spielwitz, der nie ins Trunkene schwappt, diese so leichtfüßige wie scharfkonturierte Diktion. Bravissimi!

Thomas Rübenacker, 31.05.1996



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