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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Dmitri Schostakowitsch

DSCH - CD-ROM zu Leben und Werk

Chandos/Koch 50001
CD-ROM

Wenn man sie erst einmal aus der sperrigen Papp-Box herausgepult hat – was nicht ganz einfach ist -, bietet die CD-ROM zu Leben und Werk von Dmitri Schostakowitsch Einblicke in einige der spannendsten und auch der traurigsten Momente der Musikgeschichte. Es sind vor allem die Videos, die dieser Dokumentation das Siegel des Besonderen verleihen.
      So kann Schostakowitsch bei der Arbeit an seinem Zweiten Klaviertrio beobachtet werden, bei einer Feier zu seinem 50. Geburtstag, bei Proben zur Oper "Lady Macbeth". Und eben auch, wie der gedemütigte Komponist mit versteinerter Miene gemeinsam mit Chatschaturjan und dem berüchtigten Chrennikow ein Grußschreiben an Stalin unterschreibt. Auch einen Ausschnitt aus der historischen Sitzung des Komponistenverbands, auf der Schostakowitsch und andere Komponisten von Chrennikow in Stalins Auftrag zur kompositorischen Linientreue verdonnert wurden, gibt es zu sehen. So etwas kann kein Buch vermitteln, und allein diese Szenen lohnen den Kauf der CD-ROM.
Überdurchschnittlichen Wert besitzen auch die zahlreichen Fotos aus dem Familienalbum Schostakowitschs, bislang unveröffentlichte Texte und Dokumente, Ausschnitte aus Partitur-Manuskripten sowie zahlreiche Klangbeispiele – meistens von Interpreten, die mit Schostakowitsch persönlich zusammengearbeitet haben, wie David Oistrach und Jewgenij Mrawinskij.
Zudem ist das Ganze äußerst benutzerfreundlich aufbereitet, der Aufbau klar und übersichtlich, die Navigation unkompliziert: Es besteht die Möglichkeit, jedes einzelne Jahr im Leben Schostakowitschs auf Kommentare, Werkbeschreibungen, Videos und Klangbeispiele abzuklopfen, oder man wählt die entsprechenden Archive direkt an. Sogar die Gebrauchsanweisung im ausführlichen Beiheft bereitet keinerlei Kopfzerbrechen – keine Selbstverständlichkeit heutzutage. Und wem die neckisch kommentierte Dia-Schau auf die Nerven geht, die stets das Programm einleitet, nachdem die CD ins Laufwerk gelegt wurde, kann mit der "Esc"-Taste daraus flüchten.
So weit, so gut. Etwas mehr Konsequenz in der Aufbereitung, und die Sache wäre endgültig unschlagbar. Nur ein paar lapidare Worte zu Entstehungszeit, Uraufführungsdaten, Satzbezeichnungen und Spieldauer der einzelnen Werke sind jedoch eindeutig zu wenig. Ein ausführlicher Kommentar zur Bedeutung der Komposition, ihrem Charakter und der Stellung im Werk Schostakowitschs wäre genau so dringend notwendig wie eine detaillierte Besetzungsangabe. Hinzu kommt, dass die zahlreichen Werke ohne Opusnummer ohne weiterführende Informationen lediglich aufgelistet werden.
Die Diskografie ist zwar sehr umfassend, aber ausschließlich auf Französisch verfügbar, da sie vom Schostakowitsch-Dokumentationszentrum in Paris zur Verfügung gestellt wurde. Dies, sowie einige kleinere Schreibfehler und Irrtümer (so kann das Video von der "Lady-Macbeth"-Probe unmöglich 1963 entstanden sein, da der Regisseur bereits 1943 verstarb) trüben ein wenig das Bild einer ansonsten hochinteressanten, ungewöhnlichen und sehr spannenden Dokumentation.

Thomas Schulz, 31.05.2001



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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