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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 8

Pittsburgh Symphony Orchestra, Mariss Jansons

EMI 7 24355 71762 7
(2/2001) 1 CD

Mariss Jansons liegt Schostakowitschs epische Sinfonie Nr. 8 sehr am Herzen, das belegen die der Live-Aufnahme beigefügten Probenmitschnitte - und zwar über den rein musikalischen Inhalt hinaus. Der Komponist bezeichnete seine Achte im privaten Kreis als Requiem – natürlich nicht im liturgischen Sinn, sondern für die Opfer der Unmenschlichkeit und der Gewalt, nicht zuletzt des stalinistischen Regimes, während dessen das Werk entstand.
Nun macht eine aufrichtige Einstellung allein noch keine große Kunst und auch keine gelungene Sinfonie. Im Falle der Achten von Schostakowitsch jedoch gehen humanistisches Engagement und kompositorische Qualität Hand in Hand. Die Dringlichkeit der musikalischen Aussage überschreitet mehr als einmal die Schmerzgrenze, dennoch meidet die Partitur die plakativen Gesten und auch den "heroischen" Schluss der wesentlich populäreren "Leningrader" Sinfonie Nr. 7.
Es gelingt Jansons in jedem Takt, seinen Einsatz für das Stück auf das Orchester zu übertragen, und es beeindruckt umso mehr, dass er dies mit straff angezogenen Zügeln tut: Das einleitende große Adagio mit den apokalyptischen Steigerungen, aber auch die Largo-Passacaglia des vierten Satzes laden zum Verweilen, zur zusätzlichen Episierung ein – eine Versuchung, der Jansons nicht nachkommt. Wohl realisiert er die Extreme der Musik zwischen schmerzhaftem Aufschrei, dunklem Grübeln und trauerverhangener Elegie mit allen ihm und dem bewunderungswürdigen Orchester zur Verfügung stehenden Extremwerten, doch nirgends dominiert die Gefühlswelt über die formale Stringenz – übrigens auch nicht in den brutalen Attacken des zweiten und dritten Satzes. Wahrscheinlich kommt man dem überbordenden Werk nur mit der von Jansons exerzierten Kombination von Gnadenlosigkeit und Sachlichkeit bei.
Wie tief Jansons in Struktur und Gehalt der Sinfonie eingedrungen ist, zeigt die Tatsache, dass das offene Ende des Finales endlich einmal nicht gegenüber den übrigen vier Sätzen abfällt, sondern als konsequente und logische Zusammenfassung des Vorangegangenen erscheint. Jewgenij Mrawinskij und auch Kiryll Kondraschin, der archetypische Schostakowitsch-Interpret (Melodia/BMG), mögen in Einzelheiten ihrer Einspielungen zu noch unmittelbareren, elektrisierenden Ergebnissen gelangt sein, Jansons jedoch führt die Qualitäten dieser beiden Pioniere auf überzeugende Weise in die Gegenwart.

Thomas Schulz, 29.11.2001



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