Responsive image
Jean Sibelius

En Saga, Vier Auszüge aus "Kuolema", Der Barde, Tapiola u.a.

Göteborger Sinfoniker, Neeme Järvi

Deutsche Grammophon 457 654-2
(71 Min., 12/1992, 5/1994, 5/1995, 8/1995) 1 CD

Nicht die übliche Sibelius-Kollektion, kein "Finlandia", kein "Schwan von Tuonela", dafür das frühe Tongedicht "En Saga" und das späte "Tapiola", beide geeignet, Adornos Sibelius-Verriss seinerseits zu zerreißen: Das ist, bei aller scheinbaren Grandiosität, eine Musik der Mikrokosmen, des eher leisen Zersetzungsprozesses im Harmonischen.
Neeme Järvi und die Göteborger Sinfoniker malen das sehr differenziert aus, auch das Grobgewirkte, die Kanten und Ecken zum Beispiel des Spätwerks werden nicht abgeschliffen; und der Klang der CD ist superb, jedenfalls gerade so durchsichtig, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht aus den Augen verliert.
Am meisten erzählt der Komponist von sich selbst im Tongedicht Opus 64, "Der Barde": ein rätselhaftes, dominant leises Stück Introspektion, hier zutreffend zart gewebt. Die Material-Implosion hat schon stattgefunden - und zittert nach. "Tapiola" zum Schluss hat die Größe einer komprimierten Sibelius-Sinfonie - in einem einzigen Satz der gegensätzlichsten Charaktere. Und wie gut ein Orchester am Rande eines kleinen Landes (Schweden) sein kann, zeigt der Hörvergleich mit Karajan und den Berliner Philharmonikern: Sibelius klingt da wie der alpine Strauss, sämig und fett.

Thomas Rübenacker, 28.08.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man einmal die drei Künstlerpersönlichkeiten Nicolas Dautricourt, Pascal Schumacher und Knut Erik Sundquist gemeinsam auf der Bühne erlebt hat, dann vergisst man ihre abgefahrene, spielversessene Energie nicht so schnell wieder. Auch auf der neuesten CD des Trios – „Porgy and Bess Revisited“ – spürt man diese Experimentierfreude, aber auch die reiche Erfahrung und das unglaubliche Vertrauen in die gemeinsame Intuition, die die drei Musiker auf Violine, Kontrabass und Vibrafon […] mehr »


Top