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Jean Sibelius

Lemminkäinen-Suite, Pohjolas Tochter, Der Barde

London Symphony Orchestra, Colin Davis

RCA/BMG 7 43216 89452 9
(75 Min., 1/2000) 1 CD

Sibelius lag Colin Davis schon immer am Herzen, und in seinem zweiten Zyklus mit Orchesterwerken des Komponisten (der erste kam aus Boston und ist bei Philips erschienen) hat er sich nach den Sinfonien auch den Sinfonischen Dichtungen zugewandt.
Mit langem Atem und großer Ruhe dirigiert er die "Lemminkäinen-Suite" - vier Orchesterstücke nach Vorlagen aus dem finnischen Nationalepos "Kalevala" - und auch die spätere Tondichtung "Pohjolas Tochter" mit ihren bereits an die späten Sinfonien gemahnenden Klangflächen. Davis lässt auch die kleinsten Details sprechen, erweckt Mittel- und Nebenstimmen zum Leben, die bislang noch nie zu hören waren. Ein gelegentlich spürbarer leichter Mangel an Spontaneität, etwa in "Lemminkäinen zieht heimwärts", wird durch kluge strukturelle Disposition wettgemacht.
Den "Schwan von Tuonela", den bekanntesten Satz der Lemminkäinen-Suite, zelebriert Davis in einer epischen Breite, die ihresgleichen sucht - fast elf Minuten - und es ist des Dirigenten großes Verdienst, dass er bei dem meditativen Tempo nicht das Gesamtgefüge aus dem Blick verliert und die Spannung keinen Moment lang nachlässt.
Das ist schon sehr beeindruckend - und dennoch, manchmal frage ich mich, ob dieses "De-luxe"-Dirigat nicht manchmal etwas zu sehr im Bewusstsein seiner eigenen Wirkung auftritt. Davis präsentiert einen hervorragenden, schweren Wein, während Sibelius selbst in seiner Musik nach eigener Aussage kaltes, klares Wasser anbietet.

Thomas Schulz, 20.09.2001



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