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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Jean Sibelius, Aram Khatchaturian

Violinkonzert op. 47, Violinkonzert

Sergey Khachatryan, Warschauer Sinfoniker, Emmanuel Krivine

Naïve/helikon harmonia mundi AV4959
(70 Min.) 1 CD

Sergey Khachatryan war im Dezember 2000 der jüngste Preisträger des Sibelius-Wettbewerbs. Dass da mehr dahintersteckt als "Geiger, Tiere, Sensationen" belegen seine bisherigen Konzerte, sein EMI-Debüt und seine hier vorliegende zweite CD.
Bei den Darstellungen beider Konzerte sind die wesentlichen, vom heute 19-jährigen Geiger kommenden Grundzüge identisch. Am klarsten ist der Anteil, den der Normalhörer sowieso erwartet: Khachatryan sichert sich mit seiner Spieltechnik von vornherein einen Platz in der ersten Reihe heutiger Hochleistungsvirtuosen. Für den Rezensenten bleiben da keine Wünsche offen.
Was Sergey Khachatryan aber unter den Jungen klar heraushebt, ist der Einsatz dieser Technik. Der junge Geiger lässt in jedem Moment Wille und Fähigkeit zu musikalischer Formgebung so unmissverständlich spüren, dass man nach kürzester Anlaufzeit endlich einmal wieder mehr den Komponisten als dem Solisten nachhört. Dabei freut man sich parallel über Sergeys Ideenreichtum, der sich im Gebrauch violinistischer Raffinessen und delikater Phrasierungen zeigt - und doch nirgends aufgesetzt wirkt.
Bei Sibelius gehen Sergey Khachatryan und Emmanuel Krivine mit der Sinfonia Varsovia sehr konform. Bei Khatchaturian sind ein paar Wünsche an Krivine angezeigt. Khachatryan gibt Schärfungen und Farben eigentlich so unmissverständlich vor, dass man vom Dirigenten etwas mehr Gespür in der Umsetzung dieser Elemente erwarten könnte. Im Klartext: Beim Konzert des Armeniers wird die führende und - wie man bei Einspielungen mit so jungen Musikern eigentlich voraussetzen sollte - Klippen beseitigende Rolle des erfahrenen Dirigenten (der in unserem Falle ja selbst Geiger war) streckenweise nur schleppend wahrgenommen.
Hören Sie das Andante sostenuto des Khatchaturian'schen Konzertes mit Bedacht an. Khachatryan vollbringt hier eine glückliche Balance zwischen improvisationsnahem Spiel und melancholisch angehauchtem Stimmungsgehalt, dass man auch als Hörer in atemanhaltende Gespanntheit geraten kann.
Hier wächst ein Talent heran, dem man wünschen muss, dass es in seiner Weiterentwicklung nicht den brutalen Zwängen des Musikmarkts zum Opfer fällt.

Wolfgang Wendel, 03.04.2004



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