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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



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Sunshine Of My Soul

Jaki Byard

Prestige/ZYX OJCCD-1946-2
(46 Min., 10/1967) 1 CD

Jaki Byard war einer der großen Klavier-Eklektiker, der sich jeder Umgebung nahtlos anpasste. Deshalb hätte sich Charles Mingus kaum einen geeigneteren Pianisten wünschen können. Als sich der Mingus einmal ans Klavier setzte, griff Byard, der Multi-Instrumentalist, kurz entschlossen zum Kontrabass.
Zur Zeit dieser Trioaufnahme - also kurz nach dem Beginn des Siegeszugs der Rockmusik - war das "New Thing", das freie Spiel, noch im vollen Schwange. Bis auf die seltsame Auslegung des "St. Louis Blues" und die etwas nervöse, doch weitgehend schlüssige Ballade "Diane's Melody", die noch aus Byards Anfängen mit dem Altisten Charlie Mariano herrührt, gilt die Devise: "Wir ziehen und zerren an der Tonalität, auch wenn wir ihr nichts Besseres entgegensetzen können." Zu diesem Zweck hätte Byard keine besseren Mitstreiter gewinnen können als Charles Izenzon, den vielleicht besten Bassisten, den Ornette Coleman je beschäftigte, und Elvin Jones, der fast sechs Jahre mit John Coltrane zugebracht hatte.
Leider verschmilzt die sonst nirgends dokumentierte Besetzung bei allem Einsatz der Individuen nicht zu einer Einheit. Das könnte auch an der Aufnahmetechnik liegen: Aus dem linken Kanal sind nur die manchmal sogar verzerrten, dissonanten Akkorde und rasanten Arpeggien Byards zu hören, der rechte Kanal drängt Elvins donnerndes Schlagzeug mit den streckenweise kaum zu verfolgenden Basslinien Izenzons zusammen; die Mitte der Stereobasis dagegen bleibt leer. Hätte man diesen Ping-Pong-Effekt anlässlich der (ohnehin limitierten) Neuauflage nicht mildern können?
Wie dem auch sei - "Sunshine Of My Soul" ist ein Werk des Übergangs, das heißt: Nicht jeder weiß, was er mit der ihm verliehenen Freiheit anfangen soll. Und wie die Rückschau gezeigt hat, gehen die beständigsten "freien" Aufnahmen auf Musiker zurück, die entweder über einen längeren Zeitraum zusammen arbeiteten oder bereits ein sehr ausgeprägtes Formbewusstsein mitbrachten. Das war hier jedoch nicht unbedingt der Fall.

Mátyás Kiss, 17.01.2002



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