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Vol. 6: One More Time

Terry Gibbs Dream Band

Contemporary/ZYX CCD-7658-2
(77 Min., 3/1959, 11/1959) 1 CD

Der Vibrafonist Terry Gibbs, Jahrgang 1924, war schon 1947 auf Woody Hermans berühmtem "Early Autumn" dabei und schwang dann die Schlägel in Benny Goodmans Sextett der frühen Fünfziger. Und doch könnte man sein Spiel als das boppende Gegenstück zum Swingstil Lionel Hamptons bezeichnen. Andererseits spielte er mit seiner erst post festum zur "Dream Band" geadelten Formation zur Hälfte Big-Band-Klassiker der dreißiger Jahre - "Opus One", "Flying Home" und "Jumpin' At The Woodside" sind auf dieser neuesten Kollektion von Live-Mitschnitten enthalten, allerdings in neuen Arrangements von Marty Paich, Med Flory und Manny Albam. Kompositorische Beiträge zum Repertoire des Orchesters, welches nur zwei Jahre bestand, lieferten Al Cohn, Sy Johnson und Bob Brookmeyer, zudem Bill Holman, der hier im Saxofonsatz mitspielt.
Die technische Voraussetzung für das spezielle Vergnügen, das diese über vierzig Jahre alten Aufnahmen bereiten, schuf der Toningenieur Wally Heider, der nahezu alle Engagements dieser eben erst gegründeten Band in noch längst nicht selbstverständlicher, gut ausbalancierter Stereoqualität mitschnitt. Die "Dream Band" vereinte durch die einzigartige Chemie unter ihren von Gibbs mit viel psychologischem Geschick motivierten Mitgliedern das beste aus zwei, eigentlich drei Welten: Eigens geschaffene Neuschöpfungen neben den erwähnten, behutsam neu aufgebürsteten Klassikern der Swing-Ära, gespielt von einigen der besten Solisten der Westküste, die die Ästhetik des Cool Jazz mit dem Feuer des Bebop vermählen.
Als Solisten unbedingt zu nennen wären - neben Gibbs selbst - der kürzlich verstorbene Trompeter Conte Candoli, die Tenoristen Med Flory und Bill Perkins, die Altisten Joe Maini und Charlie Kennedy, der Pianist Pete Jolly und der Schlagzeuger Mel Lewis. Lewis bezeichnete die fünfzehnköpfige "Dream Band" als die beste, in der er je getrommelt habe - inklusive seiner eigenen, auch nicht üblen Thad-Jones/Mel-Lewis-Big-Band. Die Terry Gibbs Dream Band war, dicht gefolgt vom Quincy-Jones-Orchester, zweifellos die beste neue Großformation, welche der Jazz um 1960 vorzuweisen hatte.
Diese schon nicht mehr erwartete Sammlung verdanken wir - wie Terry Gibbs in den Liner Notes erzählt - dem Umstand, dass er nach Erdbebenschäden sein Haus aus- und wieder einräumen musste. Dabei stieß er auf einen vergessenen Stapel Tonbänder, aus denen er dieses Programm zusammenstellte. Eine besondere Note erhält es durch drei hörenswerte Titel, welche die mit Carmen McRae vergleichbare Irene Kral spontan zum besten gibt - begleitet nur von einem Quintett.

Mátyás Kiss, 17.10.2002



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