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Where Is There

Myriam Alter

Enja/Soulfood ENJ-9513 2
(50 Min., 8/2007) 1 CD

Während Scharen von Jazzschulen-Eleven unermüdlich die guten alten Standards mit dem dazugehörigen Klischeerepertoire deklamieren, hat sich längst eine Szene etabliert, die sich vom unerschütterlichen Dogma der Improvisation emanzipiert hat. Sie setzt auf das Jazzfeeling in Phrasierung und Rhythmik und erobert daraus eine interpretatorische Freiheit, die durchaus auch klassische Wurzeln hat. Der Unterschied von Improvisation und Komposition ist dabei im Ergebnis obsolet. Myriam Alter, die belgische Pianistin und Komponistin mit den sephardischen Wurzeln, ist eine der überzeugendsten Vertreterinnen dieser Musik. "Where Is There" ist ihr drittes Album, an dem sie selber als Instrumentalistin nicht mitwirkt, das sie aber als Komponistin genau bestimmt hat. Die Auswahl der Musiker ist dabei integraler Bestandteil des Gestaltungsprozesses. Hier sind die Musiker der brasiliansiche Cellist Jacques Morelenbaum, der sizilianische Pianist Salvatore Bonafede und die Amerikaner John Ruocco, Greg Cohen und Joey Baron an Klarinette, Bass und Schlagzeug. Das Vorgängeralbum zu "Where Is There" verband europäische, orientalische und südamerikanische Einflüsse zu einer Musik, die von der Kritik begeistert als neue Wege des Tango Nuevo gefeiert wurde. Auf dem aktuellen Album geht sie einen Schritt weiter; man ist dabei an die Vorgehensweise der Akkulturation von nordafrikanischer Musik und französischem Jazz erinnert, für die unsere Nachbarn den Begriff des "folklore imaginaire" geprägt haben, und so ist man versucht die Musik von "Where Is There" – und Alter sagt: „There is love!“ – als "tango imaginaire" zu bezeichnen. Diese Frau lässt uns teilhaben an einer Imagination, die mit ihrer Melodieseligkeit und subtiler Rhythmik immer wieder aufs Neue verzaubert.

Thomas Fitterling, 21.12.2007



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