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Ludwig van Beethoven

Violinkonzert, Klavierkonzert Nr. 5

Vera Beths, Jos van Immerseel, Tafelmusik, Bruno Weil

Sony SK 63365
(71 Min., 9/1997) 1 CD

Oft, zu oft, drängt sich mir bei den Bestrebungen einiger Interpreten um historisch getreues Musizieren der Vergleich mit den “Grünen” auf. Sie haben im Kern gute Ideen, aber nicht die Mittel, sie durchzusetzen. Sie gehen ebensooft an der Realität vorbei wie die Realität an ihnen. Seien wir also dankbar für “Realos” wie Harnoncourt!
Diese Einspielung setzt sicher keine Maßstäbe für Beethoven-Interpretation - was immer man auch darunter verstehen mag. Jos van Immerseel ist zuwenig Virtuose, als dass er den auch vorhandenen Ansprüchen in Richtung einer manuell souveränen und geistig fantasievollen Interpretation gerecht werden könnte. Wie so oft bei lehrmeisterlichen Darstellungen ist auch hier alles “richtig”. Im Zweifelsfalle orientieren sich Pianist und Dirigent zwangsatmend am starren Metrum.
Vera Beths legte bislang einige achtbare Interpretationen vor, mit einiger Neugierde erwartete ich daher ihre Einspielung des Violinkonzertes. Das über das Klavierkonzert Gesagte trifft indes sinngemäß leider auch hier zu. Von der im Text beschworenen Vorbildfunktion für das “heranreifende romantische Violinkonzert” ist wenig zu spüren. Das Finale besitzt beachtliche Motorik, aber wenig formgebende Dynamik.
Es nutzt der Musik und dem Hörer wenig, wenn barock anmutende Details mit unmotivierten Drückern, blutarmer Aussage, farb- und klangarmer Intonation zu einem wenig überzeugenden Ganzen zusammengebunden werden. Es mag sein, dass man sich in Richtung “originaler Interpretation” bewegt hat. Doch haben die Interpreten wenig vom visionären Charakter der Musik verstanden.

Wolfgang Wendel, 30.05.1998



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