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Richard Strauss

Sämtliche Lieder mit Klavier

Juliane Banse, Andreas Schmidt, Rudolf Jansen

RCA/BMG 09026 63264 2
(11/1993 - 6/1998) 8 CDs

Die Liedkomposition lag Strauss nicht weniger am Herzen als Schumann oder Brahms, aber bis auf seine "Vier Letzten Lieder“ sind seine 169 Beiträge zu dieser Gattung kaum ins Hörerbewusstsein vorgedrungen. Vielleicht liegt es daran, dass sie nicht als Spiegel seelischen Erlebens zu begreifen sind, wie sich das bei Schumann anbietet. Eher tritt man in ein musikalisches Laboratorium, kann hören, wie die Harmonien kühner werden und sich entfalteten, was wenig später dann in den Opern zur großen melodischen Linie wuchs.
Ähnlich wie Brahms (freilich mit anderem Ergebnis) entzündete sich Strauss’ Fantasie nicht selten an zweitrangiger Dichtung, der seine Musik dann zu ungeheurer Eindringlichkeit verhilft. Zum Strauss-Jahr liegt nun diese neue Gesamtaufnahme mit dem Bariton Andreas Schmidt vor. Der Fischer-Dieskau-Schüler Schmidt folgt seinem Meister zwar in einigen technischen Stilzügen, aber während Fischer-Dieskau auch bei Strauss auf seine sehr nuancierte Textausleuchtung setzt, lässt sich Schmidt viel unbefangener von der satten melodischen Schönheit, von den koloristischen Möglichkeiten davontragen, die diese Musik anbietet. Und da findet er einen Reichtum an Tonlagen zwischen straussscher Robustheit und einem Raffinement, das von klingenden Jugendstilornamenten („Mädchenblumen“ op. 22) bis zu Gipfeln wie „Ruhe meine Seele“ (aus op. 27) reicht. Schmidt und seinem wirklich überragenden, zupackenden, zuweilen fast Orchesterfülle hervorzaubernden Begleiter Rudolf Jansen gelingt eine prächtige, geschlossene Werkschau.

Matthias Kornemann, 30.04.1999



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