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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten opp. 109, 110, 111

Michael Korstick

Ars Musici/Note 1 AM 1227-2
(67 Min., 7/1997) 1 CD

Ein Spätberufener, der der “Wunderkinderfabrikation” von heute ernsthaft Paroli bietet: Mit dreiundvierzig Jahren (!) produziert der im Konzertbetrieb längst erprobte Michael Korstick seine ersten beiden CDs beim Freiburger Entdeckerlabel Ars musici. Das professionelle Klavierstudium begann der 1955 in Köln geborene “Spätstarter” erst nach dem Abitur - zunächst an den Hochschulen von Köln und Hannover, später wechselte er an die New Yorker Juilliard School und errang gleichzeitig schon die ersten Wettbewerbs-Ehren.
Beethovens komplexem Spätwerk galt von Anfang an das besondere Augenmerk dieses ernsthaften und streitbaren Klavier-Intellektuellen, der trotz perfekter Technik alles Virtuos-Zirzenische und Glamouröse verabscheut und in jeder Musik nach dem tieferen Sinn, den Botschaften, sucht. Seine Debüt-CD mit den drei letzten Sonaten Beethovens löst diesen hohen und eigentlich “altmodischen” Anspruch überzeugend ein: Selten hat man diese hochsensiblen, lyrisch-introvertierten Abschiedsgesänge so penibel notengetreu, so streng ausgehört, so unspektakulär-intelligent und doch so klug rhetorisch durchgeformt erleben können wie in Korsticks radikal objektivistischen und gelegentlich schon fast abweisenden Deutungen.
Damit, wie übrigens auch mit der sensibel und zwingend logisch gestalteten Lisztschen h-Moll-Sonate (Ars musici AM 1248-2) rückt der strenge Traditionalist Korstick in der durch schrille Selbstdarsteller und “Wunderkinder” beherrschten Klavierszene von heute in die Rolle eines besonders seltenen, schützenswerten Exemplars.

Attila Csampai, 20.05.1998



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