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Richard Strauss

Don Quixote, Cellosonate op. 6, Romanze

Steven Isserlis, Stephen Hough, Symphonieorchester des BR, Lorin Maazel

RCA/BMG 74321 75398 2
(76 Min., 3/2000) 1 CD

Die Frage hier lautet nicht, wie diese Neuaufnahme des "Don Quixote" sich mit anderen erstklassigen vergleiche? Die einzig bedeutende Frage ist: Was unterscheidet sie von Steven Isserlis’ Ersteinspielung bei Virgin, damals mit dem Minnesota-Orchester unter Edo de Waart? Beim Solisten nicht gar so viel; Isserlis ist auch hier sein bestes Selbst, ein nobler, unendlich anrührender "Ritter von der traurigen Gestalt", dessen burleske Fehltritte sowohl die Komik als auch die Würde des naiven Weltverbesserers haben. Vielleicht schlüpft Isserlis hier noch souveräner, mitunter auch "übermütiger" in die Haut des Granden (Variation 6).
Der Rest allerdings ist der älteren Aufnahme überlegen: Das weit bessere Orchester wird von dem vermeintlich so kaltschnäuzigen Präzisionsdirigenten Maazel zu irisierend röntgenhaftem Spiel animiert, die geistvollste und artifiziellste sinfonische Dichtung Richard Strauss’ bis in die feinsten Verästelungen der Partitur durchhörbar machend. Dieser Interpretationsansatz, den straussschen Mischklang-Apologeten fulminant entgegengeschleudert, geht allerdings nur deshalb auf, weil auch die (seltsamerweise ungenannte) Klangtechnik auf der Höhe ihrer Kunst mitspielt.
Sogar dass der Orchesteranteil mehr Kühle verbreitet, hat Sinn – repräsentiert er doch die schnöde Außenwelt; die Wärme von Isserlis’ Don Quixote hebt sich nur umso schicksalhafter ab. Und wie die Stimmen des Orchesters sowie der Solisten sich zart miteinander verweben, ist mitunter schon ein Mirakel subtilster Klangorganisation! Nur, warum wird der ausgezeichnete Bratschist, der Sancho Panza verkörpert, nicht namentlich genannt?
Scheinbar komplettiert die Aufnahme lediglich Maazels Strauss-Zyklus, und man erwartet einen oder zwei Füller wie die Hornkonzerte, die "Bürger als Edelmann"-Suite oder "Aus Italien". Aber wie Steven Isserlis sich das Beiheft zueigen macht (wirklich witziger "Wegweiser" aus seiner Feder!), so auch die ganze CD: Außer der raren F-Dur-Romanze wirbelt er noch mit gründerzeitlichem Aufbruchs-Furor (sowie dem exzellenten Pianisten Stephen Hough) Strauss’ Jugendsonate auf, sodass die Veröffentlichung sich wunderbar einfügt in die Isserlis-typischen "enzyklopädischen" Erkundungen des Cellowerks großer Komponisten von Mendelssohn über Fauré bis Saint-Saëns. Eine funkelnde und tief menschliche Lektion in Strauss!

Thomas Rübenacker, 26.07.2001



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