Vor allem wegen Edita Gruberovas spektakulärer Zerbinetta sorgte "Ariadne auf Naxos" bei den Salzburger Festspielen 1982 für eine Sensation. Zu Recht: Gruberova singt die Partie mit einer kaum zu überbietenden Perfektion, mit Tönen, die wie nahtlos auf einen hauchdünnen Seidenfaden gereiht schimmern, mit zartesten Piani, mit makellosen Koloraturen, mit unendlichem Atem (etwa für das gefürchtete hohe d im Showdown von "Großmächtige Prinzessin"). Gruberova ist kokett, raffiniert, verspielt und doch nie vordergründig oder oberflächlich, dabei theatralischer als in der drei Jahre früher entstandenen Studio-Aufnahme unter Georg Solti (Decca).
Die übrige Besetzung steht ihr kaum nach: Anna Tomowa-Sintow ist eine ideale Ariadne, in ihrem Schmerz so wahrhaftig wie in ihrer selbstvergessenen, verschwenderischen Hingabe an den "Verwandler" Bacchus. James King singt ihn furchtlos, souverän, über jeden Zweifel erhaben. Trudeliese Schmidt lässt keine Möglichkeit aus, jeden Aspekt des Komponisten von jugendlicher Unbeholfenheit über Selbstmitleid, Melancholie, Euphorie und Verzweiflung auszukosten. Walter Berry liefert ein Kabinettstück als Musiklehrer. Wolfgang Sawallisch inszeniert dazu mit den Wiener Philharmonikern ein subtiles, nuancenreiches Kammerspiel.

Jochen Breiholz, 02.10.2004



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