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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Ludwig van Beethoven

Lieder

Stephan Genz, Roger Vignoles

Hyperion/Koch CDA 67055
(69 Min., 3/1998, 9/1998) 1 CD

Da mag man Beethoven, dem Übervater der modernen Instrumentalgattungen, noch so sehr eine problematische Beziehung zum Lied, zu gesungenen Texten überhaupt anhängen - diese Platte fesselt in jeder Minute. Man reibt sich die Augen, glaubt man dem Geburtsjahr ihres Protagonisten, des 1973 in Erfurt geborenen Baritons Stephan Genz. Denn seine Stimme scheint nahezu “vollständig” (bis auf die Tiefe, die noch mehr Sonorität vertragen könnte). Sein warmes, gleichwohl kerniges, konturenvolles Mittelregister nimmt sofort für sich ein, und wenn ein Bariton auch noch solche Höhenkräfte, eine derart ausgefeilte Artikulation und Vokalfärbung aufweist, dann kann man getrost von mehr als nur einem Schönwetterzeichen am deutschen Liedhimmel sprechen.
Vor allem aber besitzt Genz eine darstellerische Präsenz (etwa beim “zitternden Blütenzweig” oder dem mächtig auftrumpfenden aufklärerischen Imperativ “Hoffen soll der Mensch, er frage nicht!”), die jedes Lied, insbesondere die “Adelaide”, als ausgefeilte Bühnenszenerie vor Augen führten. Als sensibler, detailverliebter Dramaturg gibt sich auch der britische Begleiter Roger Vignoles zu erkennen. Eine mustergültige Aufnahme also (auch angesichts des vorbildlichen Beihefts). Sie zeigt, wie sehr sich die Nach-Dieskausche (Schüler-)Generation emanzipiert, auch wenn sie erst fünfundzwanzig Jahre alt ist.

Christoph Braun, 31.03.1999



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