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Richard Strauss, Alban Berg, Arnold Schönberg

Streichsextette

Artemis Quartett, Thomas Kakuska, Valentin Erben

Virgin/EMI 335 130-2
(51 Min., 12/2002) 1 CD

Nichts für schwache Nerven: Was der freundlichen Klassik das Streichquartett war, das wurde dem hysterischen Fin de Siècle das Sextett. Schönberg setzte 1899 mit seiner "Verklärten Nacht" einen neuen Maßstab: der lichte Quartettsatz ist um zwei Binnenstimmen verdichtet, die um Ausgleich bemühte Mehrsätzigkeit hat der Idee eines durchkomponierten, monolithischen Dramas Platz gemacht, das Klima hat sich spürbar erhitzt. Die programmatisch sehr sinnfällige Kompilation des Artemis-Quartetts nimmt dabei Schönberg nicht als chronologischen Ausgangspunkt, sondern als künstlerisches Ziel: darauf steuert zunächst das vier Jahrzehnte später komponierte Sextett aus Richard Strauss' letzter Oper "Capriccio" zu, dann auch die von Primarius Heime Müller erstellte Sextettfassung der Klaviersonate von Alban Berg - und man findet in so enger Nachbarschaft mehr Gemeinsamkeiten zwischen den drei Werken, als man geahnt hätte. Ergänzt durch den im letzten Jahr verstorbenen Bratscher Thomas Kakuska und den Cellisten Valentin Erben vom Alban-Berg-Quartett arbeitet das Ensemble unter einer extrem aufgeladenen, nervösen Spannung, die hin und wieder in Hektik umzuschlagen droht, zumeist aber eine hier sehr angemessene klangliche Zuspitzung zeitigt und die Grenzen des Kammermusikalischen bis zum Anschlag ausreizt. Wer einmal ein zweiminütiges Crescendo hören will, dem sei der Beginn der "Verklärten Nacht" besonders ans Herz gelegt; wer wissen will, wie die vorletzte Jahrhundertwende klang, dem sei die ganze Aufnahme empfohlen.

Raoul Mörchen, 13.05.2006



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