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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Richard Strauss, Wilhelm Petersen

Klavierquartette u.a.

Álvarez-Quartett

Hera 02121
(89 Min., 4/2002) 2 CDs

Wilhelm Petersen, geboren 1890 in Athen, gestorben 1957 in Darmstadt - einer jener zahllosen begabten Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die der Tonalität verpflichtet blieben und u. a. aus diesem Grund (biografische Brüche vor allem durch den Zweiten Weltkrieg kamen freilich hinzu) kein größeres Aufsehen zu erregen vermochten. Entsprechend dünn ist der Bestand an CD-Einspielungen seiner Werke: Eine hochinteressante Liedersammlung konnte im April 2002 an dieser Stelle besprochen werden, eine Aufnahme von Petersens "Großer Messe op. 27" ist längst vergriffen - das war’s dann so ziemlich. Petersens auch beim tonalen Komponieren verbliebener Zeitgenosse Richard Strauss hatte da mehr Glück: Er war wohl in der Nazizeit schon zu berühmt (oder stellte sich geschickter an), um ernsthaft in Schwierigkeiten zu geraten. Womöglich sind seine Werke - deren hohe Qualität an dieser Stelle freilich keineswegs in Frage gestellt werden soll - letztendlich auch bequemer rezipierbar, wie es schon die hier dem Klavierquartett von Petersen gegenübergestellten frühen Werke Straussens für dieselbe Besetzung zeigen, wenngleich es hier noch gewaltig "brahmselt": Einen hervorragenden Instinkt für effektvolle, prägnante Melodik, getragen und gestützt von ebensolcher Harmonik, wird man Strauss, auch im Blick auf sein gesamtes Schaffen, nicht absprechen können. Diese Tugend prägt schon sein kaum bekanntes "Klavierquartett op. 13", entstanden zwischen 1883 und 1885. Petersen dagegen gibt sich weitaus stacheliger: Sein "Klavierquartett op. 42", entstanden 1941/42 unter Verwendung einer 20 Jahre älteren eigenen Violinsonate, basiert motivisch-thematisch auf einem der Schönberg’schen "entwickelnden Variation" verwandten Verfahren, das satzübergreifend zur Anwendung kommt. Die spannungsvolle, stark angereicherte Harmonik korreliert stark mit der polyphonen horizontalen Struktur, ergibt sich teilweise aus dieser. Nichts zum Nachpfeifen, das ist sicher - teilweise beinahe eine Art dunkles Gegenbild zu vergangener Jugendstil-Behaglichkeit. Ein aufregendes Hörerlebnis allemal, ermöglicht vom erstklassigen Álvarez-Quartett, dessen hervorragende Arbeit im Jahre 2004 mit dem plötzlichen Tod des Bratschers Bodo Hersen ein jähes Ende fand - ihm ist die vorliegende CD gewidmet.

Michael Wersin, 05.01.2007



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