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Continuum

Georg Graewe, Ernst Reijseger, Gerry Hemingway

Winter & Winter/Edel WIN 910 118-2
(50 Min., 11/2005) 1 CD

Der Titel dieses Albums ist ebenso programmatisch wie vieldeutig. Schon seit Jahren arbeiten der deutsche Pianist Georg Graewe, der niederländische Cellist Ernst Reijseger und der amerikanische Schlagzeuger Gerry Hemingway immer wieder als Trio zusammen. Vor sieben Jahren schien es, als sei mit neueren musikalischen Orientierungen der Beteiligten das Ende des Trios gekommen. Jetzt kamen die drei doch erneut zusammen und unterstrichen die Kontinuität ihrer Arbeit mit einem kontinuierlich angelegten Freispiel-Programm. Ohne jegliche vorherige Absprachen thematisierten sie gewissermaßen den Entstehungsprozess des interaktiven Musizierens. Die Herren sind Mitte der 50er Jahre geboren und haben mit den Klassikern der internationalen Free Music zusammengearbeitet; als Komponisten haben sie sich mit den Formen der Neuen Musik auseinandergesetzt und auch da Erfolge gefeiert. Sie brauchen sich also nichts mehr kraftmeierisch oder berserkernd zu beweisen. Die zehn Phasen der Begegnung, die hier veröffentlicht werden, haben denn auch so gar nichts klassisch Freejazzendes an sich. Ruhe und Raum werden mit karger Reduktionsmotivik in unterschiedlicher Farbigkeit beschworen. Die Schlaginstrumente werden nicht als Set eingesetzt, sondern als Klangflächengestalter; selten nur wird ein Rhythmus durchgeschlagen. Das Cello bevorzugt Flageolettes und das Klavier versagt sich virtuose Läufe, gestaltet vielmehr seinen Raum mit pointillistisch getupften Intervallen. Das klingt spröde und ist es auch; dennoch geht von dem Geschehensverlauf eine zwingende Magie aus, die sich allerdings nur dem erschließt, der sich auf eine konzentrierte Zuhörensübung einlässt.

Thomas Fitterling, 25.03.2006



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