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Ludwig van Beethoven

Cellosonaten

Guido Schiefen, Alfredo Perl

Arte Nova/BMG 74321 59215 2
(127 Min., 1/1998, 4/1998) 2 CDs

Was müssen Musiker noch alles können, um vom Normalhörer und -käufer wahrgenommen zu werden? Fallen die - und Sie - nur noch auf Nymphen herein, deren Interpretationen so durchsichtig und triefend sind wie ihre Gewandung? Glemser, Rivinius, Breuninger, Schiefen, Perl: vorderste bis erste Preise in Moskau und Brüssel und wenig Resonanz. Es bleibt zunehmend kleineren Firmen vorbehalten, zu retten, was zu retten ist.
Der Cellist Guido Schiefen und der Pianist Alfredo Perl legen Beethovens Cello-Sonaten (und die Cello-Fassung der Hornsonate) bemerkenswert ausgewogen vor. Ihre Interpretationen leben von dem, was sie tun - und meiden. Die Hauptstärke ist zunächst in den partnerschaftlichen Qualitäten zu sehen. Da liefern eben nicht zwei “Spitzenstars” ihre Einzelleistungen mit der Präzision und Gleichförmigkeit eines Reißverschlusses zur gleichen Zeit ab, und es brilliert auch nicht der “große Solist” auf Kosten seines Klavierbutlers. Man gewinnt bei Schiefen und Perl den Eindruck, dass sie mit fast heiliger Scheu mit Beethovens Sonaten umgehen. Es gelingt ihnen vor allem, musikalische Verläufe weitspannend nachzuzeichnen, Inhalt und Ausformung in ausgewogener Balance zu halten. Da muss nichts “interessant gemacht” werden: Beethovens Musik ist ihnen interessant genug! Das heißt bei den beiden auch: Es gibt keine publikumswirksame Zurschaustellung extravaganter Elemente. Ihre interpretatorischen Qualitäten kommen fast selbstgefährdend unspektakulär daher. Mögen dem Duo diese Qualitäten angemessen honoriert werden!

Wolfgang Wendel, 30.06.1998



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