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From The Plantation To The Penitentiary

Wynton Marsalis

Blue Note/EMI 0946 3 84724 2 1
(58 Min.) 1 CD

"It’s Time For The Return Of Romance", singt Jennifer Sanon auf Wynton Marsalis Platte "From The Plantation To The Penitentiary" – und das ist mehr als ein Rückgriff auf die gute alte Zeit. "I ain’t no bitch, I ain’t no ho / And public niggerin‘ has got to go." Hier wendet sich der Bandleader, Komponist und Trompeter gegen eine durchkommerzialisierte Popkultur und fragt: "How did we lose our song? When did we forget our dance?" Das ist nicht nur das Problem der vom "Supercapitalism" – so ist der folgende Titel überschrieben – gebeutelten Amerikaner, deren Verfassung zudem von der Regierung mit Füßen getreten wird. Ein ähnlicher Verlust der tradierten Kultur und humanistischer Werte prägt weltweit die Medienlandschaft. Eine Antwort weiß Marsalis nicht. Wohl aber hat er noch deutlicher als mit seiner 1994 uraufgeführten Oper den Elfenbeinturm der reinen Musik verlassen und bezieht gesellschaftlich Stellung. Dabei hat sich auch seine Tonsprache ein wenig verändert. Sie swingt wie gewohnt, doch stellenweise weitet sein Quintett das harmonische Gerüst bis zu schmerzenden Dissonanzen aus. Zur Seite steht ihm dabei eine junge Band mit dem Tenor- und Sopransaxofonisten Walter Blanding, dem Pianisten Dan Nimmer, dem Bassisten Carlo Henriques und dem Schlagzeuger Ali Jackson, Jr. In "Where Y’All At?" prangert er gar über einem Zwitter aus Second Line Swing, Gospel und Funk im Sprechgesang die Verhältnisse im heutigen Amerika an. Doch anders als die Politjazzer der 1960er und 1970er verzichtet er darauf, Protest und Enttäuschung in aggressive Klänge umzuformen. Wer nicht auf die Texte achtet, kann die komplex swingende Musik auch schlichtweg genießen.

Werner Stiefele, 05.05.2007



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