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Kaleidoscope

Stephan Holstein

Jazz’n’Arts Records/SioB Distribution 2904
(49 Min., 8/2003) 1 CD

"It’s not about style - it’s about quality", so lautet selbstbewusst das Motto des fünf Jahre jungen Mannheimer Jazz’n’Arts-Labels, das mit seinen neuesten Produktionen kräftig ins Bewusstsein drängt. Jazz’n’Arts gibt der von den großen Konkurrenten weitgehend vernachlässigten jüngeren deutschen Szene eine hoch professionell gemachte Plattform in Klang und Erscheinungsbild; Digipack ist Pflicht, ebenso ein strenges grafisch orientiertes Fotodesign. Das Programm ist eher Mainstream, aber der ist hier kein flusswirtschaftlich begradigter Strom, sondern ein mäandrierendes Naturereignis mit durchaus idyllischen Ecken, aber auch wild strudelnden Kehrwassern.
Das Programm des Klarinettisten Stephan Holstein ist eher einem ruhigen Abschnitt mit einer trauten Insel zuzurechnen. Zusammen mit dem Pianisten Tizian Jost und dem Bassisten Thomas Stabenow hat er sich Weisen aus neun Klassikern der abendländischen Kunstmusik erschlossen. Das Faszinierende dabei ist, dass er den Gestus der Originale respektiert und sie doch überzeugend aus dem Geiste des Jazz interpretiert, und das ganz ohne vordergründiges Ver-"Jazzen" und ohne Einsatz eines bombastischen Verfremdungsapparats. Als Beispiel sei hier die gegenläufige Begleitung zur Tenorstimme aus J. S. Bachs Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme" genannt. Die Harmonien werden im Sinne des modernen Jazz erweitert und doch bleibt ihr Grundgefüge unangetastet, wie auch die Funktion der melodischen Linie als Folie für die Improvisationen in ihrer ständig implizierten Gewärtigkeit respektiert wird. Vergnüglich und im besten Sinne ernsthaft heiter ist diese Triomusik nicht nur hier, sondern in allen zwölf Titeln (drei davon sind tatsächlich Kompositionen von Jost und Stabenow), und darf so auf ein wohlwollendes und dann begeistertes Publikum hoffen.

Thomas Fitterling, 12.03.2005



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