Responsive image
Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten Nr. 12 op. 26, Nr. 19 op. 49/1, Nr. 20 op. 49/2, Nr. 30 op. 109

Stephen Kovacevich

EMI 5 56148 2
(67 Min.) 1 CD

Jeder Interpret, der einen Beethoven-Zyklus entwirft, kommt zu „seinen“ schwer erspielbaren Kindern. Bei Stephen Kovacevich ist es die „Trauermarsch-Sonate“ op. 26. Selten wohl hat Beethoven unkonventioneller und unpersönlicher zugleich komponiert. Doch inmitten der etwas parfümierten As-Dur-Variationen tun sich Ausblicke düsterer Subjektivität auf. Kovacevich läßt sie allzu beiläufig vorübergehen. Das as-Moll-Bohren der dritten Variation verdünnt er zum belanglos Walzerhaften. Auch das Ende des theaterdonnernden Trauermarsches, wo begräbnishafter Pomp in nackte Klage umschlägt, bleibt seltsam unartikuliert, ungelöst das folgende Finale-Rätsel: zynische Etüdenfröhlichkeit oder dämmriges Säuseln? Kovacevich treibt im Nirgendwo.
Seine Deutung der späten Sonate op. 109 ist dann mehr als versöhnend. Das liedhafte Thema des Variationsfinales singt in ferner, fast stillstehender Entrückung, die den Atem stocken läßt, und das zarte Abtasten seiner Weiterungen war selten so intensiv zu hören. Der freundliche Ernst schließlich, mit dem er die Sonatenkrümel op. 49 aufliest, wird jeden Hörer bezaubern, der die Stücke nur aus der Klavierstunde kennt.

Matthias Kornemann, 31.01.1997



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Mit Leidenschaft: Zwischen Beethoven- und Schumann-Haus in der Bonner Brahmsstraße aufgewachsen – damit ist das Programm von Fabian Müllers neuer CD umrissen. Unter dem Titel „Passionato“, entlehnt von Ludwig van Beethovens Dauerbrenner-Klaviersonate und Expressivitätsgipfelwerk, bricht sich hier die Erregung, ja gar die aufgestaute Corona-Wut Bahn. In auftrittsarmen Zeiten bleibt freilich nur der diskografische Weg zum Ausdruck des eigenen Pianisten-Ichs. Es würde aber auch nicht […] mehr »


Top