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Ludwig van Beethoven

Ouvertüren

Chamber Orchestra of Europe, Nikolaus Harnoncourt

Teldec/Warner Classics 0630-13140-2
(76 Min.) 1 CD

Beethovenscher geht’s nicht: Nikolaus Harnoncourt arbeitet mit eben jener Mischung aus Pedanterie und Ausdrucksemphase, die Beethovens Musik kennzeichnet. Vielleicht fehlt ihm der grimmige Humor – aber der spielt in den Ouvertüren auch keine Rolle. Von den elf haben Harnoncourt und das Europäische Kammerorchester hier acht eingespielt, eine im Studio (Coriolan), die anderen live; komplett gibt’s die um den „Fidelio“ kreisenden, also auch die endlos faszinierende Metamorphose von „Leonore I“ bis „Leonore III“.
Da mag manches – etwa die „Ruinen von Athen“ – sogenannte Gelegenheitsarbeit sein – Harnoncourt und das wieder einmal exzellente Orchester finden darin nur Konzentrate von Hauptwerken, also „reinsten“ Beethoven. Spannend auch, wie Harnoncourt inzwischen die Farben mischt: Er zieht aus Quasi-„Authentischem“ und modernem Orchesterspiel das heraus, was seiner Interpretationsidee am meisten nützt. Das wird aber nicht zum Spagat zwischen zwei Welten, sondern zur Umarmung: Seid umschlungen, zweihundert Jahre!
Und auch wer den „Fidelio“ als Anti-Oper schilt, der sperrigen Vokallinien wegen, müsste spätestens nach dem Genuss dieser CD zugeben, dass Beethoven mit Haut und Haar ein Mensch des Theaters war. Keiner des schönen Scheins, sondern der oft unschönen, gleichwohl sehr menschlichen (Bühnen-)Leidenschaften. Gleiches gilt, siehe oben, für Nikolaus Harnoncourt. Eine Platte für die berühmte „einsame Insel“, das!

Thomas Rübenacker, 30.06.1996



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