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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzert Nr. 4, Chor-Fantasie op. 80 u.a.

Rudolf Serkin, Marlboro Festival Orchestra, Marlboro Festival Chorus, Alexander Schneider, Peter Serkin u.a.

Sony 89 200
(117 Min., 7/1974, 8/1997) 2 CDs

Bislang haben es nur zwei Musiker geschafft, den in den nördlichen Appalachen gelegenen US-Bundesstaat Vermont über die Grenzen hinaus bekannt zu machen. Frank Sinatra mit seiner Ballade "Moonlight In Vermont" und Rudolf Serkin als Gründer und Förderer des Marlboro Festivals, das fast ein halbes Jahrhundert lang das gleichnamige Städtchen zum Anziehungspunkt machte - für Profis und Studenten, die sich bis heute in der örtlichen Highschool-Scheune zu Meisterkursen und Konzerten zusammenfinden. Zum Jubiläum wurden nun aus dem reichen Archiv-Bestand vier Live-Mitschnitte erstveröffentlicht, die weniger den Gipfel der Interpretationskunst erklimmen wollen. Sieht man einmal von den widrigen Aufnahmebedingungen ab, ist es der ungezwungene Elan, die sympathische Emphase, die die Ausgrabungen hörenswert machen.
Im Zentrum des reinen Beethoven-Programms (CD 1) steht Rudolf Serkin, dieser irdische Hohepriester der Einfachheit. Einer, der die Selbstverständlichkeit des Musizierens zur vollen Blüte gebracht hat. Ohne die unbedingte Rücksicht auf technische Perfektion. Davon lebt besonders die nicht ungefährliche, weil den Freiheitsimpetus an die Grenzen des Banalen führende "Fantasie für Klavier, Chor und Orchester". Hier wird sie dank der künstlerischen Integrität Serkins gerettet; das Werk atmet klassischen Geist.
Das gilt gleichfalls für das Vierte Klavierkonzert, dessen langsamen Satz Serkin mit seiner ganzen Noblesse nachzeichnet, um dann mit unbeschwertem Vergnügen ins Finale einzusteigen. Hiervon konnte der Nachwuchs einiges in die Kammermusik-Werke von Dvořák (Streichquintett op. 77) und Janáček (die "Mládí"-Suite für Blasinstrumente) hinüberretten. Zum Glück.

Guido Fischer, 19.10.2000



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