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Lady Moon

Thärichens Tentett

Minor Music/In-Akustik MM 801094
(58 Min., 2000, 2001) 1 CD

Das Beste an dieser CD ist das witzig gemalte, zum Miniposter ausfaltbare Cover - und die Erleichterung darüber, dass es in Deutschland wenigstens noch ein paar Menschen gibt, die den Genitiv beherrschen (in "Thärichens Tentett" kommt wirklich kein Apostroph vor!). Schon die stellenweise angeberische Wahl der Textdichter lässt erste Zweifel entstehen: Solch ehrwürdige Namen wie Lord Byron und Thomas Hardy garantieren noch keine ebenbürtige Musik - schon gar nicht im Jazz, wo es immer noch darauf ankommt, was jemand aus den Worten macht.
Da wird es nun wirklich kritisch, denn so manches an diesen zwölf Gedichtvertonungen des Berliner Pianisten Nicolai Thärichen hat mit Jazz nur am Rande zu tun: Da röhrt die E-Gitarre, es donnert das Schlagzeug, und der Sänger Michael Schiefel (den man stellenweise für eine Frau halten könnte) gebärdet sich wie Elvis Costello in seinen Crossover-Projekten mit dem Brodsky-Quartett und Anne Sofie von Otter. Trotzdem hätte ihm jemand die richtige Aussprache des Wortes "sword" soufflieren können.
Angesichts von Einflüssen aus vielerlei Richtungen - ich denke zum Beispiel an Mike Mantler, Frank Zappa, die Neue Musik und den Westcoast Jazz - konnte sich Thärichen für keinen eigenen Kompositionsstil entschließen, und so klingt paradoxerweise ein Lied wie das andere. Was im Konzert durchaus funktionieren mag, ergibt noch lange keine starke CD. Schade!

Mátyás Kiss, 04.10.2001



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