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Rio de Janeiro Blue

Freddy Cole

Telarc/In-akustik 080 83525
(53 Min., 9/2000) 1 CD

Der viel zitierte gegenwärtige Vocal-Jazz-Trend ist eine von Sängerinnen beherrschte Erscheinung, der wir immerhin die Wiederentdeckung der wundervollen Shirley Horn verdanken. Nun zeichnet sich im Männerlager für den Sänger und Pianisten Freddy Cole eine ähnliche Alterskarriere ab, wie sie die Grande Dame aus Washington erfahren hat.
Der inzwischen siebzigjährige jüngere Bruder von Nat "King" Cole war allerdings nie von der Szene verschwunden, nur war seine Szene nicht die des eigentlichen Jazz. Erstaunlicherweise hat ihn ein Besuch Brasiliens und die Erfahrung, wie dort die Sänger unmittelbar für den einzelnen Zuhörer singen und eine wahre Geschichte zu erzählen scheinen, zum Jazz bekehrt. Kein Wunder also, dass seine Musik einen erheblichen brasilianischen Touch hat; aber dieses Latin Feeling verbindet Cole überzeugend mit der nordamerikanischen Vokaltradition. Er ist ein Balladenerzähler, doch kein knödelnder "Balladeer". Sensitiv maskulin und leicht rauchig ist seine Stimme, und sein Klavierspiel ist von ähnlich punktgenauer Zurückhaltung, wie das von Shirley Horn.
Auf Rio de Janeiro Blue ist er mit einem abwechslungsreichen Programm aus selten gespielten Standards, Jazz- und Brazil-Originals zu hören, dabei musiziert er mit seinem eigenen Quartett und einer erlesenen Studiobesetzung, der der Pianist Arturo O'Farrill geschmackssichere Arrangements auf den Leib schrieb. Wie bei Telarc üblich ist der Klang warm und ausgewogen und das Produkt Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau, die ebenso als Easy listening heiter konsumiert werden kann, wie sie famoses, entdeckungsfreudiges Zuhören erlaubt.

Thomas Fitterling, 28.06.2001



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